Tabuloser Tierhandel im Berliner Zoo? Scharfe Kritik am Zoomanagement und am scheidenden Direktor
Wieder einmal fällt der Berliner Zoo mit dubiosen Praktiken auf, die der scheidende Direktor Bernhard Blaszkiewitz zu verantworten hat. Der Deutsche Tierschutzbund und der ihm angeschlossene Tierschutzverein für Berlin und Umgebung kritisieren scharf den Tierhandel des Zoos und begrüßen die Strafanzeige des Veterinäramtes. Zucht und Bestandsmanagement im Berliner Zoo sind aus Sicht der Tierschützer seit Jahrzehnten völlig intransparent und spiegeln weder Artenschutz noch pädagogische oder wissenschaftliche Ansätze wider.
„Blaszkiewitz scheint seine Stärken eher im Tiere verschachern zu sehen als im Zoomanagement. Tiere haben für ihn scheinbar keinen Wert sondern lediglich einen Preis: entweder geht es in andere europäische Zoos oder – wie bei Wellensittichen und vielleicht anderen Tieren – sie werden verfüttert. Wir fordern, dass Herr Blaskiewitz sofort freigestellt wird, damit der Schaden, den sein Nachfolger reparieren muss, nicht noch größer wird“ erklärt, Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.
Dass mit Tieren aus beiden Berliner zoologischen Gärten gehandelt wird, ist kein Geheimnis. Dabei arbeitet der Direktor der beiden Einrichtungen seit vielen Jahren eng mit Tierhändlern zusammen. Dass die Tiere dann letztlich nicht unbedingt in anderen zoologischen Gärten landen, sondern vermutlich auch an Zirkusse und Tierversuchslabore gehen, spielt für Blaszkiewitz offenbar keine Rolle. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt daher die Bemühungen und die Strafanzeige des zuständigen Veterinäramtes, um Licht in die dunklen Machenschaften des Zoodirektors zu bringen.
Die Liste mit tierschutzwidrigen Vorfällen im Berliner Zoo ist ohnehin bedenklich: Tötung von frei lebenden Katzen und Füchsen, fragwürdige Zuchtpraktiken bei Eisbären und das Drama um Knut sowie mangelhafte Haltungsbedingungen, um nur einige zu nennen. „Das hat alles nichts mit einem Zoo als pädagogischer und wissenschaftlicher Einrichtung zu tun oder gar mit einem Zoo als Arche Noah. Hier werden Ignoranz, Marketingmaschinerien und Tierhandel auf dem Rücken der Tiere durchgesetzt“, erklärt Ines Krüger, Vorsitzende des Tierschutzvereins für Berlin und Umgebung.
Hintergrund Zoomanagement
Der Deutsche Tierschutzbund fordert strengere Richtlinien für die Haltung von Zootieren. Zucht und Bestandsmanagement sollten vorausschauend ausgerichtet und verantwortungsvoll geplant werden. Eine Vermehrung von Zootieren ist grundsätzlich nur dann zu ermöglichen, wenn auch für die Nachkommen eine artgemäße Unterbringung gesichert ist. Eine Tötung gesunder „überzähliger“ Jungtiere lehnen die Tierschützer ab, zumal für nahezu jede Tierart entsprechende Methoden der Populationskontrolle umgesetzt werden können. Dies kann bei einigen Tieren beispielsweise über künstliche Verhütung, bei anderen über die zeitweilige Separierung der Geschlechtspartner geschehen.
Deutscher Tierschutzbund e.V.
Baumschulallee 15
53115 Bonn
Deutschland
Telefon: (0228) 60 49 60
Telefax: (0228) 60 49 640
Mail: presse@tierschutzbund.de
URL: http://www.tierschutzbund.de/
http://pressrelations.de/new/standard/result_main.cfm?r=550935&aktion=jour_pm
