Patientenautonomie. Theoretische Grundlagen. Praktische Anwendungen

Hannover (pressrelations) –

Patientenautonomie. Theoretische Grundlagen. Praktische Anwendungen

Forschungsgruppe „Autonomie und Vertrauen in der modernen Medizin“ an der Universität Göttingen gibt Handbuch heraus.

Jeder Patient sollte das Recht besitzen, über die eigenen Belange und insbesondere über den eigenen Körper selbst zu entscheiden.
Aber was geschieht, sobald sich Patient und Arzt nicht einig sind? Sollte dann der Arzt als wissenschaftlich ausgewiesener Experte oder der Patient als Experte seines eigenen Lebens letztlich über Mittel und Ziele ärztlichen Handelns entscheiden? Doch wer oder was nimmt Einfluss auf die Entscheidungen des Patienten? Wie können Personen frei entscheiden, die fremdbestimmt werden – etwa Kinder und Jugendlichen oder gar Demenzkranke?

Was geschieht, wenn Entscheidungen nicht logisch oder sozial verträglich erscheinen? Können sie trotzdem aus Sicht des Patienten plausibel sein? Wie sind die Sterbehilfe oder der Zugang zu neuen Reproduktionstechniken unter ethischen und politischen Gesichtspunkten einzuordnen?

Wenn ein Verwandter eine neue Niere benötigt, wer sollte dann spenden? Vater, Mutter, Schwester oder Partner? Und tun sie dies wirklich freiwillig oder erwartet das Umfeld, dass Verantwortung für den anderen übernommen wird?
Beim genauen Hinschauen wird deutlich, dass nur wenige Auffassungen einen ähnlich prägenden Einfluss auf die medizinische Praxis ausgeübt wie das Konzept der Selbstbestimmung. Gleichzeitig lässt sich in der Praxis kaum ein anderer Sachverhalt schwieriger beurteilen.

Basierend auf den Erkenntnissen der interdisziplinären Forschergruppe „Autonomie und Vertrauen in der modernen Medizin“ an der Universität Göttingen ist das Handbuch „Patientenautonomie. Theoretische Grundlagen. Praktische Anwendungen“ entstanden. Claudia Wiesemann und Alfred Simon haben die Vorträge einer Tagung der Akademie für Ethik in der Medizin und der Abteilung Ethik und Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Göttingen zum Thema „Selbstbestimmung des Patienten und die Medizin der Zukunft“ sowie weitere Aufsätze im Dezember 2013 als Herausgeber publiziert. Die VolkswagenStiftung hat die Wissenschaftler der Universität Göttingen im Rahmen der Ausschreibung „Schlüsselthemen der Geisteswissenschaften“ gefördert.

Herausgekommen ist ein Überblickswerk, das zahlreiche Facetten der Selbstbestimmung des Patienten diskutiert: In einem ersten, theoretischen Teil analysieren die Wissenschaftler das moralische Konzept aus der Perspektive der Philosophie, des Rechts, der Theologie und der klinischen Praxis in seinen verschiedenen Ausdeutungen. Der zweite Teil hingegen ist der Praxis der Patientenautonomie gewidmet und erörtert die besonderen Probleme ihrer Anwendung.

Aus dem Inhalt:

Patientenautonomie und Philosophie
Wiesemann: Die Autonomie des Patienten in der modernen Medizin
Steinfath, Pindur: Patientenautonomie im Spannungsfeld philosophischer Konzeptionen von Autonomie
Ach/Schöne-Seifert: „Relationale Autonomie“ – Eine kritische Analyse
Anderson: Relationale Autonomie 2.0

Patientenautonomie und Recht
Duttge: Patientenautonomie und Einwilligungsfähigkeit
Katzenmeier: Ärztliche Aufklärung
Lipp/ Brauer: Patientenvertreter und Patientenvorsorge
Albers: Patientenautonomie und Patientenvertrauen im Gesundheitsdatenschutz

Patientenautonomie aus theologischer Perspektive
Haker: Patientenautonomie aus katholisch-theologischer Perspektive
Coors: Selbstbestimmung: relational – responsiv – hermeneutisch. Evangelisch-theologische Perspektiven auf einen medizinethischen Grundbegriff

Patientenautonomie und klinische Praxis
Nauck/Simon: Patientenautonomie in der klinischen Praxis
Dörries: Zustimmung und Veto. Aspekte der Selbstbestimmung im Kindesalter
Borbé: Patientenautonomie in der Psychiatrie

Reproduktive Autonomie
Beier/Wiesemann: Reproduktive Autonomie in der liberalen Demokratie – eine ethische Analyse
Coester-Waltjen: Reproduktive Autonomie aus rechtlicher Sicht

Patientenautonomie und Biopolitik
Wiesing: Die Autonomie des Patienten im Licht jüngster politischer Entscheidungen
Feuerstein: Biopolitische Paradoxien der Patientenautonomie
Nida Rümelin/Bratu: Autonomie als politisch-ethisches Prinzip im Liberalismus
Arnason: Patientenautonomie, Humangenetik und Biopolitik

Kollektive Autonomie
Jordan/Schicktanz: Kollektive Patientenautonomie: Theorie und Praxis eines neuen bioethischen Konzepts
Schweikard: Kollektive Autonomie und Autonomie in Kollektiven
Graumann: Selbstbestimmt und unabhängig Leben mit Behinderung.

sowie weitere Beiträge zur Patientenautonomie in der Praxis von
R. Jox, K. Kühlmeyer, I. Hofmann, C. Seifart, J. Schildmann, J. Vollmann, K. Brukamp, S. Wöhlke, M. Motakef, J. Inthorn, D. Ritzenthaler-Spielmann, F. Hufen, G. Neitzke

Zu den Herausgebern:
Claudia Wiesemann, Professorin und Direktorin des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universitätsmedizin Göttingen, Mitglied des Deutschen Ethikrats, forscht seit mehr als zwanzig Jahren auf dem Gebiet der Ethik in der Medizin, insbesondere zu Fragen der Selbstbestimmung des Patienten und zur Fortpflanzungsmedizin.
Alfred Simon, Privatdozent an der Universität Göttingen und Geschäftsführer der Akademie für Ethik in der Medizin, Mitglied des Ausschusses für ethische und medizinisch-juristische Grundsatzfragen der Bundesärztekammer, Arbeits- und Forschungsschwerpunkt auf dem Gebiet der Klinischen Ethik (ethische Entscheidungsfindung in der Praxis, Klinische Ethikberatung, Patientenautonomie, Patientenverfügung).

Wiesemann, Claudia / Simon, Alfred (Hrsg.): Handbuch Patientenautonomie: Theoretische Grundlagen – Praktische Anwendungen. Münster: Mentis-Verlag, 2013. ISBN: 978-3-89785-804-6. EUR 36,00.

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