Sicher in die Fahrradsaison starten – Tipps rund um Wartung, Ausrüstung und das richtige Verhalten im Straßenverkehr
Weg mit den Spinnenweben und raus auf die Straße: Mit den ersten warmen Tagen holen viele wieder ihre Fahrräder aus dem Keller. Damit der Start in die Saison sicher und unfallfrei gelingt, sind ein Technikcheck, Schutzkleidung sowie das richtige Verhalten im Straßenverkehr wichtig. Manuel Tatura, Unfallexperte bei ERGO, erklärt, worauf Radfahrerinnen und Radfahrer achten sollten.
Sieht aus wie Frühling, ist aber noch Winter
Typische Unfallrisiken entstehen im Frühjahr vor allem durch mangelnde Übung nach der Winterpause und eine unterschätzte Witterung. Besonders tückisch ist der Nachtfrost: „Auch wenn die Luft tagsüber mild ist, können schattige Waldwege oder Brücken am Morgen noch glatt sein“, so Manuel Tatura, Unfallexperte bei ERGO. Am einfachsten ist es, vor der Fahrt auf die Temperaturanzeige im Handy zu sehen. Außerdem sind eine hohe Aufmerksamkeit und eine defensive Fahrweise die besten Begleiter, insbesondere für die ersten Touren.
Der Technikcheck für einen reibungslosen Start
Bevor die erste Fahrt ansteht, ist eine umfassende Inspektion des Fahrrads Pflicht. Ein Rad, das monatelang ungenutzt im Keller stand, benötigt zuerst einmal eine gründliche Reinigung. Danach gilt es, die Bremsen auf ihre Funktionsfähigkeit und die Beläge auf ausreichende Dicke zu prüfen. Essenziell sind die Beleuchtungsanlage sowie eine funktionierende laute Klingel. „Die Reifen dürfen keine Risse im Profil aufweisen und der Luftdruck muss stimmen, da sich sonst das Pannenrisiko erhöht“ weiß Tatura. Danach geht es daran, die Kette zu reinigen und frisch zu ölen sowie sämtliche Schrauben an Lenker und Sattel auf festen Sitz zu kontrollieren. Wer ein E-Bike oder ein Pedelec besitzt, sollte zudem den Akku auf Beschädigungen prüfen und die Funktionsfähigkeit des Motors testen, bevor es auf die Straße geht.
Keine Fahrt ohne Helm
Die persönliche Ausrüstung ist besonders wichtig für Radfahrerinnen und Radfahrer. Der Helm steht hierbei an erster Stelle und sollte bei jeder Fahrt gut sitzen, ohne zu wackeln oder in den Nacken zu rutschen. Da Radfahrer im Verkehr leicht übersehen werden, ist auch im Frühjahr eine gute Sichtbarkeit wichtig, zum Beispiel durch helle oder farbintensive Kleidung und zusätzliche Reflektoren. Dies gilt für kurze Erledigungen in der Stadt ebenso wie für lange Ausflüge. Ein häufiger Fehler ist die Nachlässigkeit auf kurzen Wegen: „Auch für nur fünf Minuten Fahrt ist der Helm unverzichtbar“, betont der ERGO-Unfallexperte.
Besondere Anforderungen bei Kindern und Senioren
Für Kinder ist das Fahrrad ein komplexes Gerät, das erst sicher beherrscht werden muss. Wichtig ist hier, dass das Rad „mitwächst“ und so bei jeder Körpergröße sicheres Fahren ermöglicht: Nur wenn das Kind im Sitzen mit beiden Füßen sicher den Boden erreicht, behält es die volle Kontrolle. Umgekehrt sollten die Kinder ihre Knie beim Fahren nicht zu stark anwinkeln müssen und aufrecht sitzen können. Bei älteren Radfahrern stehen Komfort und Stabilität im Fokus. Viele Senioren nutzen die Vorzüge von E-Bikes, unterschätzen jedoch zu Beginn die Kraft des Motors. „Es ist hilfreich, nach einer längeren Pause mit ein paar Übungsrunden auf einer freien Fläche zu starten, um wieder ein Gefühl für das Rad zu bekommen“, rät Tatura. Für Senioren sind Tiefeinsteiger-Rahmen zu empfehlen, die ein sicheres Auf- und Absteigen ermöglichen. Außerdem ergonomische Griffe und Sättel, um Ermüdung vorzubeugen.
Rücksicht hat Vorfahrt
Ein sicheres Fahrrad allein genügt trotzdem nicht: entscheidend ist auch das Verhalten im Verkehrsfluss. „Wer defensiv und vorausschauend fährt, kann Fehler anderer Verkehrsteilnehmer oft ausgleichen“, so Manuel Tatura. „Besonders E-Bike-Fahrer müssen bedenken, dass ihr Bremsweg bei höherem Tempo länger ist und Autofahrer sie oft in ihrer Geschwindigkeit unterschätzen.“ Gerade an Kreuzungen und Einfahrten ist erhöhte Vorsicht geboten, wobei der Blickkontakt zu anderen Fahrern hilft, sich abzustimmen. Rücksichtnahme gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern sorgt grundsätzlich für ein entspanntes Miteinander.
Der Check gilt auch für die Unterlagen
Trotz aller Vorsicht lässt sich ein Restrisiko nie ganz ausschließen. Bevor es in die neue Saison geht, empfiehlt es sich deshalb, zu prüfen, ob alle wichtigen Versicherungen vorhanden sind. „So unterstützt die private Unfallversicherung nicht nur mit einer einmaligen Kapitalleistung bei bleibenden körperlichen Beeinträchtigungen nach einem Unfall, oft sind auch umfangreiche Assistenzleistungen vereinbart“, erläutert der Unfallexperte. Darüber hinaus ist eine Privathaftpflichtversicherung unverzichtbar, um Schäden abzusichern, die Radler Dritten versehentlich zufügen. Da besonders hochwertige Fahrräder und E-Bikes begehrte Objekte für Langfinger sind, lohnt sich zudem eine Diebstahl- oder spezielle Fahrradversicherung, die oft auch Schutz bei Vandalismus bietet.
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