Seit mehr als dreißig Jahren beschäftige ich mich mit Lebens- und Rentenversicherungen, ihren Versprechen, ihren Vertragswerken und ihren Schwachstellen. Kaum ein anderes Produkt hat im deutschsprachigen Raum ein derart starkes emotionales Fundament wie die klassische Lebensversicherung. Sie steht für Disziplin, Sicherheit und generationenübergreifende Vorsorge. Genau deshalb fällt es vielen Menschen bis heute schwer, sie kritisch zu hinterfragen. Doch 2026 ist ein Zeitpunkt erreicht, an dem Hoffen keine Strategie mehr ist.
Was ich in meiner täglichen Praxis sehe, ist selten spektakulär, aber häufig ernüchternd. Versicherte haben jahrzehntelang eingezahlt, pflichtbewusst und im Vertrauen darauf, dass sich diese Geduld auszahlt. Wenn wir dann gemeinsam die reale Rendite berechnen, entsteht oft Stille. Nicht, weil etwas „falsch“ gelaufen wäre, sondern weil niemand zuvor die entscheidende Frage gestellt hat: Was hat dieser Vertrag tatsächlich erwirtschaftet – nach Kosten und nach Inflation?
Die Versicherungsbranche hat in den vergangenen Jahren viel dazugelernt. Sie ist professioneller geworden, transparenter in einzelnen Punkten, vorsichtiger in ihren Prognosen. Und doch bleibt ein strukturelles Problem bestehen: Viele Verträge sind so konstruiert, dass sie für Versicherungsnehmer schwer verständlich bleiben. Standmitteilungen liefern Zahlen, aber keine Einordnung. Sie zeigen mögliche Zukunftswerte, verschweigen aber die wirtschaftliche Gegenwart. Wer wissen will, ob sein Kapital wirklich arbeitet, muss selbst nachrechnen lassen.
Dabei geht es mir nicht darum, Lebensversicherungen pauschal zu diskreditieren. Es gibt solide Verträge, es gibt nachvollziehbare Modelle, es gibt Situationen, in denen ein Weiterführen sinnvoll ist. Aber es gibt ebenso viele Fälle, in denen Versicherte schlechter fahren, als sie glauben. Renditen von ein bis zwei Prozent vor Inflation sind keine Seltenheit. In Zeiten dauerhaft erhöhter Teuerung bedeutet das realen Kaufkraftverlust. Das Kapital wächst auf dem Papier – und schrumpft in der Realität.
Besonders problematisch wird es, wenn Versicherte vorschnell kündigen. Die Kündigung wirkt befreiend, ist aber häufig die teuerste Entscheidung. Sie akzeptiert die Rechenlogik des Versicherers, inklusive aller Kostenannahmen und vertraglichen Begrenzungen. Ich sehe regelmäßig Fälle, in denen Rückkaufswerte auf Todesfallleistungen begrenzt sind oder erhebliche Teile des Kapitals erst zum Rentenbeginn verfügbar werden. Wer kündigt, verzichtet oft auf Optionen, ohne zu wissen, dass sie existieren.
Dabei gibt es Alternativen. Der Zweitmarkt für Lebensversicherungen ist real, funktionierend und in vielen Fällen wirtschaftlich sinnvoller als die Kündigung. Voraussetzung ist allerdings eine unabhängige versicherungsmathematische Bewertung. Erst ein Aktuar kann objektiv ermitteln, welchen Zeitwert ein Vertrag tatsächlich hat. Diese Zahlen unterscheiden sich nicht selten erheblich von den internen Werten der Versicherer. Ohne ein solches Gutachten bleibt der Spielraum unsichtbar.
Hinzu kommt die juristische Dimension. Die Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesgerichtshofs zum Widerruf von Lebensversicherungen haben den Markt nachhaltig verändert. Fehlerhafte Widerrufsbelehrungen oder unzureichende Verbraucherinformationen sind keine bloßen Formalien. Sie können dazu führen, dass Verträge auch Jahre später noch widerrufen oder rückabgewickelt werden können. Der sogenannte Widerrufsjoker ist kein Trick, sondern Ausdruck rechtsstaatlicher Kontrolle. Ich habe diese Entwicklung über viele Jahre begleitet und erlebt, wie sie das Machtgefüge zwischen Versicherern und Verbrauchern verschoben hat.
Gleichzeitig sage ich klar: Der Widerruf ist kein Allheilmittel. Er ist kein Masseninstrument, sondern ein Präzisionswerkzeug. Er verlangt juristische Analyse, versicherungsmathematische Bewertung und eine realistische Einschätzung der Erfolgsaussichten. Wer ihn leichtfertig einsetzt, wird scheitern. Wer ihn fundiert prüft, kann jedoch erhebliche wirtschaftliche Vorteile realisieren.
Was bedeutet das alles für Versicherte im Jahr 2026? Vor allem eines: Altersvorsorge darf kein blinder Vertrauensakt mehr sein. Sie muss überprüfbar, nachvollziehbar und steuerbar werden. Policen-Clearing ist für mich kein Angriff auf die Versicherungswirtschaft, sondern eine notwendige Weiterentwicklung. Es zwingt alle Beteiligten, ehrlich auf Zahlen, Kosten und Rechte zu schauen.
Meine Erfahrung zeigt: Sobald Versicherte ihre Rendite kennen, verändert sich etwas. Die Angst vor Entscheidungen weicht der Fähigkeit, Optionen abzuwägen. Nicht jede Police muss beendet werden. Aber jede sollte verstanden sein.
Deshalb plädiere ich für einen einfachen Grundsatz: Kündigen Sie nicht aus Frust. Halten Sie nicht aus Bequemlichkeit fest. Rechnen Sie. Lassen Sie prüfen. Und entscheiden Sie erst dann. Wer seine Altersvorsorge versteht, gewinnt nicht nur wirtschaftliche Kontrolle zurück – sondern auch das Vertrauen in die eigene Entscheidung.
Autor:
Dr. Thomas Schulte, Rechtsanwalt
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