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„Konkrete Handlungsanleitungen aus der Zukunftswerkstatt“

17. Ulmer Gespräche der Ingenics AG zu „Arbeitsorganisation 4.0“

"Konkrete Handlungsanleitungen aus der Zukunftswerkstatt"

Dr. Jens Nitsche, Ingenics Partner und Leiter R + D (Bildquelle: Ingenics AG)

(Ulm) – Der Umzug der Ulmer Gespräche der Ingenics AG hat sich gelohnt. Im Congress Centrum Ulm genossen am 28. September 2017 rund 250 Gäste sowie zahlreiche Ingenics Mitarbeiter die hochkarätige Veranstaltung zum Thema „Arbeitsorganisation 4.0 – Digitalisierung als Wertschöpfungspotenzial“ mit Vorträgen und Diskussionen, angeregten Unterhaltungen und einer erweiterten Partnerausstellung in einem entspannten Rahmen. Die Redebeiträge beleuchteten unterschiedlichste Aspekte der Zukunft der Produktionsarbeit.

Ingenics CEO Prof. Oliver Herkommer konnte die Bühne in der Gewissheit betreten, dass das neue Format der Ulmer Gespräche, die 2017 bereits ihre 17. Auflage erlebten, gut ankommen würde. Das Congress Centrum Ulm bot den 250 Entscheidern aus großen und kleinen Industrieunternehmen verschiedenster Branchen genügend Raum für Vorträge, Rahmenprogramm und intensiven Meinungsaustausch – untereinander und mit den zahlreich anwesenden Ingenics Mitarbeitern.

Es geht nicht darum, dass sich etwas verändern wird, sondern wie Unternehmen den Veränderungsprozess positiv managen

Im Interview mit Moderatorin Stefanie Anhalt (SWR 1) wurde zunächst der thematische Schwerpunkt – Industrie 4.0 und die Folgen für die Arbeitswelt – abgesteckt. Da sich Ingenics seit mehreren Jahren mit dem Thema Industrie 4.0 beschäftigt, das auch schon in den vergangenen drei Jahren die Agenda der Ulmer Gespräche bestimmt hatte, war es nur konsequent, nun die Auswirkungen auf die Arbeitsorganisation in den Fokus zu stellen und Visionen für die Arbeit der Zukunft zu entwickeln. Prof. Herkommer konnte darauf verweisen, dass Ingenics in über 5.000 Projekten bei unterschiedlichsten Herausforderungen eine umfassende Expertise für die Generierung unternehmerischen Erfolgs erarbeitet hat und alle Voraussetzungen dafür erfüllt, zu dieser Art „Zukunftswerkstatt“ einzuladen.

Dass er die Schwerpunkte auf Produktion, Logistik, Organisation und Digitalisierung legt, ist die logische Konsequenz aus den Geschäftsfeldern des Beratungsunternehmens. „Unser Know-how ist durchweg erfahrungsbasiert, was unsere Kunden aus der Automobil-, Luft- und Raumfahrt-, Chemischen und Pharmaindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau sowie aus Verwaltungen gleichermaßen schätzen“, so Prof. Herkommer. „Unser übergeordnetes Ziel ist es jeweils, einen nachhaltigen Unternehmenserfolg sicherzustellen.“

Bei allen Projekten gehe es über eine klare Analyse der Prozesse und Strukturen um die enge Einbindung aller handelnden und betroffenen Personen. „Bei Prozessänderungen, Changes, spielt der Mensch bei uns die zentrale Rolle, auch wenn es um Digitalisierung geht.“ Deshalb habe man auch bei der Beschäftigung mit der Arbeitsorganisation 4.0 von Anfang an konsequent auf wissenschaftliche Begleitung durch Institute der Fraunhofer Gesellschaft gesetzt, die sich mit diesen Themen beschäftigen. „Es geht nicht darum, zu sagen, dass sich hier etwas verändern wird, sondern darum, wie die Unternehmen den Veränderungsprozess erkennen, verstehen und für sich positiv managen können,“ so Prof. Herkommer. Leider sei bei den Verantwortlichen vieler Unternehmen die Problematik der sich verändernden Arbeitsorganisation durch das Fortschreiten der Digitalisierung noch nicht angekommen. „So werden Entwicklungen in Unternehmen und Organisationen antizipiert und wir geben konkrete Handlungsanleitungen, wie man sich auf diese Entwicklungen einstellen muss, um erfolgreicher zu werden.“

Versöhnung von Mensch und Maschine

Als erster Referent sprach der Zukunftsforscher Dr. Daniel Dettling, Gründer und Geschäftsführer von re:publik, Institut für Zukunftspolitik in Frankfurt am Main und Wien über das „Ende der Arbeit“. Seine nicht ganz überraschende These: Nicht die Arbeit endet, sondern die Form der Arbeit verändert sich. Und vor diesem Hintergrund muss sich u. a. die Berufsausbildung verändern. „Hierarchische Großorganisationen, in denen immer top-down entschieden wurde, werden sich wandeln müssen“, so Dr. Dettling. Er empfiehlt zur Orientierung, sich mit dem Arbeiten bei Start-ups oder in „Co-Working Spaces“ zu beschäftigen. „Große Unternehmen müssen disrupieren, also sich selbst radikal infrage stellen können, um neue Freiräume zu schaffen, jede erfolgreiche Organisation muss künftig klein und zugleich groß sein können.“

Was z. B. künstliche Intelligenz betrifft, rät er zu Geduld: „Wir werden KI in vielen Varianten erleben, aber bis wir eine wirklich professionelle Intelligenz haben, dauert es noch. Vorläufig werden Roboter Menschen nicht überlegen sein, weil sie noch nicht zu Empathie, Schmerz und Emotionen fähig sind.“ Spätere Generationen von „Robotic Natives“ würden aber voraussichtlich die „Versöhnung von Mensch und Maschine“ erleben.

Arbeit 4.0 findet an variablen Orten zu variablen Zeiten in veränderlichen Arbeitsstrukturen statt. Experimentieren erlaubt!

Als zweiter Referent schlug Prof. Dr.-Ing. Sascha Stowasser, Arbeitswissenschaftler und Direktor des Düsseldorfer Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft ifaa, eines u. a. von den Arbeitgebern geförderten Think Tanks, vor, die Digitalisierung als einen von mehreren Faktoren zu betrachten, die den Wandel der Arbeitswelt treiben. Weitere Faktoren seien z. B. Strategieorientierung und Globalisierung.

So sieht Prof. Stowasser die Digitalisierung als „viele Jahre dauernde, nicht umkehrbare Weiterentwicklung gegenwärtiger Systeme und Geschäftsmodelle“, wobei er keinen Anhaltspunkt für die Entstehung von Massenarbeitslosigkeit sieht. Der These „Fortschritt macht arbeitslos“, wie sie in einer Spiegel-Titelgeschichte schon 1978 prognostiziert worden war, kann er nichts abgewinnen. Gerade durch die zunehmende Variantenvielfalt „wird der Mensch noch gebraucht“, ist Prof. Stowasser überzeugt. Die Beispiele von hocheffizienten „kleinen digitalen Fabriken“ (Local Motors, USA; Wittenstein, Stuttgart; adidas speedfactory, Ansbach) sind beeindruckend und zeigen, welche Bedeutung die Flexibilität als „zentrales Moment der Digitalisierung“ hat. „Die Lösungen sind so unterschiedlich wie die Unternehmen selbst, wir müssen neue Führungsrollen entwickeln und dabei mehr führen als steuern, Beschäftigten mehr Kompetenzen zubilligen und akzeptieren, dass Arbeit 4.0 an variablen Orten zu variablen Zeiten in veränderlichen Arbeitsstrukturen stattfindet.“

Deshalb sei Industrie 4.0 auch die konsequente Weiterentwicklung des Lean Managements; welchen Reifegrad man jeweils vorfinde, bestimme letztlich die Digitalisierungsfunktion. „Flexibles Arbeiten in der digitalen Arbeitswelt 4.0 benötigt eine Unternehmensstrategie, klare Strukturen, verbindliche Regeln, eine technisierte Infrastruktur, neue Kompetenzen für Führungskräfte und Beschäftigte, eine alles umfassende Unternehmenskultur“, fasst Prof. Stowasser zusammen und fordert: „Experimentieren muss erlaubt sein, Schulen müssen sich radikal verändern, Industrie 4.0 ist vor allem Komplexitätsbewältigung, die Geschäftsmodelle müssen neu definiert werden.“

Erst die Kombination von „Lean“ und Digitalisierung führt zu mehr Operational Excellence

Womit sich Ingenics täglich beschäftigt, vermittelte der viel beachtete Vortrag von Dr. Jens Nitsche, Ingenics Partner und Leiter R + D, „Wie Arbeit 4.0 in der Praxis zum Erfolgsfaktor wird – MyCPS, Industrial Engineering und der Ingenics Ansatz der integralen Unternehmensentwicklung.“ Auch er ließ es sich nicht nehmen, darauf hinzuweisen, dass die Digitalisierung, die Prozesse optimieren und effizienter gestalten soll, eine umfassende Lean-Strategie nicht ersetzen kann, sondern auf einer solchen aufsetzen muss: „Erst die Kombination führt sicher zu mehr Operational Excellence“, stellte er klar. „Sie als Führungskraft treiben den Wandel, nur eine Technologie einzuführen ist nicht die Lösung, das nutzt nur, wenn ich das Ganze im Blick habe, wenn eine Strategie und das Bewusstsein für die Digitalisierung im Unternehmen vorhanden sind.“ Wenn Dr. Nitsche postuliert, der Mensch müsse im Fokus stehen, ist das Ausdruck der Überzeugung, dass die „Zukunft weder Zufall noch Schicksal ist, sondern von innovativen und veränderungsbereiten Menschen gestaltet“ wird. Nicht alles was technisch machbar sei, müsse wirtschaftlich sinnvoll sein. Menschzentrierung in der Industrie 4.0 könne immer auch die Entscheidung für den Menschen und gegen einen möglichen Automatisierungsschritt bedeuten. „Das muss kein Widerspruch sein, in der Praxis steht die Wettbewerbsfähigkeit im Fokus.“

Dr. Nitsches Erkenntnisse beruhen nicht zuletzt auf der Beteiligung am Förderprojekt „Migrationsunterstützung für die Umsetzung menschzentrierter Cyber-Physical Systems (MyCPS)“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), in dem er Ingenics vertritt. In diesem Rahmen wurden 383 Industrie-4.0-Anwendungsfälle ausgewertet, wobei der „Menschbezug“ im Fokus stand. Effizienzsteigerung, Komplexitätsbewältigung und mehr Flexibilität seien nicht nur in der Produktionsarbeit, sondern auch in administrativen Bereichen anzuraten, so Dr. Nitsche. Interessant sei, dass selbst da, wo der Mensch bezüglich der Zielstellung nicht im Fokus stehe, der Nutzen von Industrie 4.0 nachweisbar sei. „Und zwar auch der Nutzen für den Menschen, z. B. im Zuge einer Verbesserung der OEE (Overall Equipment Effectiveness; Gesamtanlageneffektivität) und bei der Ergonomie“, sagt Dr. Nitsche. „Aber ein Arbeitsplatzentfall kann stattfinden, auch wenn er vielleicht mittelfristig durch neue Jobs ausgeglichen wird.“ Die Technik treibe die Veränderungen auch in der Arbeitsorganisation oft schneller voran als erwartet. „Durch Verschiebung von Rollen und Inhalten entfallen Arbeitsplätze, während andere entstehen, mit diesem Thema müssen wir uns ehrlich auseinandersetzen.“

Als Beispiele für signifikante Veränderungen der Arbeitsorganisation nannte Dr. Nitsche App-gesteuerte „Schicht-Doodles“, mit deren Hilfe Mitarbeiter selbständig den Personaleinsatz organisieren, digitale Fertigungspapiere über iPad, den Einsatz von Produktionscockpits für das digitale Shopfloor Management auf der Basis von Echtzeitinformationen und selbststeuernde Systeme, z. B. in der Schwarmmontage. „Alle Beispiele zeigen, dass die Technik massiven Einfluss auf die Arbeitsgestaltung hat und aktiv gestaltet werden muss, um positiv zu wirken.“

Das Anstoßen des Veränderungsprozesses ist Chefsache

Eine weitere Erkenntnis ist, dass die Digitalisierung nicht aus der Technik heraus zum Erfolg führen kann, sondern „ein Thema ist, das über die Führung massiv gesteuert werden muss.“ Das Anstoßen des konsequenten Veränderungsprozesses sei eindeutig Chefsache. Ebenso wichtig sei dann allerdings die Einbindung der Beteiligten, wobei die Elemente zur erfolgreichen Mitarbeiterpartizipation im Sinne des Ingenics Rollenmodells zu beachten seien. Im Sinnes des im Rahmen von MyCPS erarbeiteten Beteiligungsmodells müsse man sich klarmachen, welche Veränderung man anstoße und wie man die Mitarbeiter am Veränderungsprozess partizipieren lasse. Für die konkrete Bearbeitung stellte Dr. Nitsche ein Fünf-Säulen-Modell für die Realisierung von integrierten Mensch-Technologie-Projekten vor:
-„Strategy“ für die Willensbildung im Top-Management und die Formulierung der Strategie (mit Quick Check Zukunftsfähigkeit)
-„Attractivity“ zur Sicherstellung der Produkt- und Serviceattraktivität (mit Quick Check Product Attractivity)
-„Agility“ zur Sicherstellung der Agilität bei Arbeitsteilung und Aufgabenerledigung (mit Quick Check Organization Agility)
-„Digitality“ zur Digitalisierung der Arbeitsteilung und der Aufgabenerledigung (mit Quick Check Corporate Digitality)
-„Personality“ zur Entwicklung der Persönlichkeit von Fach- und Führungskräften (mit Quick Check Leaders Personality).

„Arbeit 4.0 erfordert eine Neubewertung der Rollen über alle Funktionen“, fasste Dr. Nitsche zusammen. „Wir müssen an erster Stelle das Thema Führung in den Blick nehmen, denn der Kopf geht der Bewegung voraus, setzt die Impulse und gestaltet die Rahmenbedingungen sowie die Kultur für die Veränderung. Deshalb sind Digitalisierung und Industrie 4.0 Chefsache. Die Einführung von Soft- und Hardware bringt uns nicht weiter, wenn wir nicht auf den Menschen eingehen; der Veränderungsbedarf und die erforderlichen Maßnahmen lassen sich aus einem strukturiertes Rollenmodell ableiten, die frühzeitige Einbindung von Mitarbeitern und Interessenvertretern sind unverzichtbar.“

„Enabler der Digitalisierung“ lädt zum Innovation Circle nach München ein

Nach dem mit viel Beifall bedachten Vortrag von Dr. Nitsche übernahm es Ingenics Vertriebsvorstand Andreas Hoberg, die Höhepunkte der Veranstaltung zusammenzufassen, den Beteiligten für inspirierende Vorträge und angeregte Gespräche zu danken. Mit der Conclusio „Ingenics versteht sich als Enabler der Digitalisierung, wir sehen in ihr deutlich mehr Chancen als Risiken, vor allen Dingen aber Notwendigkeiten, die vielen Unternehmen immer noch nicht klar sind“ sowie den Erkenntnissen: „Lean wird nicht abgelöst, sondern in die neue digitale Welt überführt“ und: „Flexibilität herzustellen, sicherzustellen und zu managen, auch in Bezug auf neue Arbeitsmodelle, ist jetzt eine zentrale Aufgabe“ präsentierte sich Andreas Hoberg einmal mehr als Freund klarer Worte. Ehe er die Gäste ins abschließende „Get-together“ entließ, versäumte er nicht, zur nächsten Ingenics Veranstaltung – im kleineren Format mit Workshop-Komponente – einzuladen: dem Innovation Circle am 9. November 2017 in München mit dem Psychologen und Inhaber des Lehrstuhls für Human Resources Management der Fakultät Wirtschaft an der Hochschule Furtwangen, Prof. Dr. Armin Trost.

In den Pausen sowie nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung bot eine kleine Ausstellung den Besuchern Gelegenheit, sich über die Angebote wichtiger Ingenics Partner zu informieren. Vertreten waren: ACP IT (München u. a.), artiso Software (Blaustein), Bossard Fachseminare (Illerrieden u. a.), Conclurer Software (Heidenheim), Elabo Software (Crailsheim), immersight Virtual Showroom (Ulm), iTiZZiMO Datenbrillen für Augmented Reality (Würzburg), Loriot IT-Lösungen (Thalwil).

Über Ingenics
Ingenics ist eine internationale Beratung für Produktion, Logistik, Organisation und Digitalisierung mit weltweiten Standorten und mehr als 35 Jahren Erfahrung am Markt. Der Fokus liegt auf den Feldern Management Beratung, Fabrikplanung, Logistikplanung und Effizienzsteigerung.
Als eines der ersten Consultingunternehmen hat sich Ingenics eine dezidierte Industrie 4.0-Expertise erarbeitet und in Kooperation mit renommierten Forschungseinrichtungen zukunftsweisende Lösungen für Industrie 4.0-Anwendungen in der Wirtschaft entwickelt.

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„Die Fähigkeit, Komplexität effektiv zu steuern, wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil“

16. Ulmer Gespräche der Ingenics AG „Vision wird Wirklichkeit – intelligente Lösungen für die digitale Transformation von Montage, Produktion und Logistik durch Industrie 4.0“ mit Rekordbeteiligung

"Die Fähigkeit, Komplexität effektiv zu steuern, wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil"

v. l. n. r. Prof. Bauernhansl, M. Walker, U. Brucker, Prof. Herkommer, B. Aunkofer, Dr. Bönsch (Bildquelle: Bettina Theisinger, Ingenics)

(Ulm) – Die 16. Ulmer Gespräche bescherten der Ingenics AG einen neuen Besucherrekord. Hochkarätige Expertenvorträge und Diskussionen trugen zum besseren Verständnis von Digitalisierung und Industrie 4.0 bei, da am Beispiel von erfolgreichen Projekten der Nutzen deutlich gemacht wurde. Ingenics konnte sich einmal mehr als Partner für innovative Unternehmungen im Zusammenhang mit der digitalen Transformation von Montage, Produktion, Logistik und Services empfehlen.

Top aktuelle Themen aus dem Produktionsumfeld aufgreifen, hochkarätige Experten aufs Podium bringen und Expertengespräche anstoßen, von denen alle Teilnehmer profitieren – das sind die Ulmer Gespräche der Ingenics AG. Bei der 16. Auflage dieses erfolgreichen Formats durften sich die Veranstalter über einen neuen Besucherrekord freuen: Gut 200 Führungskräfte aus der Wirtschaft erlebten im Ulmer Stadthaus am Münsterplatz einen Gewinn bringenden, spannenden Nachmittag und einen angenehm entspannten Abend.

Sozusagen als Begrüßung, stellte Ingenics CEO Oliver Herkommer zunächst die wichtigsten Ergebnisse der zweiten großen Industrie 4.0-Studie vor, die Ingenics gemeinsam mit dem Fraunhofer IAO durchgeführt hat. Im Vergleich zur ersten Ingenics IAO Studie von 2014 haben sich deutlich mehr Unternehmen beteiligt (844 vollständig beantwortete Fragebögen nach 518 im Jahr 2014). Das Spektrum bei Branchen und Unternehmensgrößen ist noch breiter geworden. Mehr als die Hälfte, 22 Prozent mehr als zum Zeitpunkt der ersten Studie, hat eine explizite Industrie 4.0-Strategie. Die Zahlen von realisierten Projekten verschiedenster Ausrichtung und Größenordnung gehen in die Tausende. In etwas mehr als der Hälfte aller Fälle wurden die Projekte vom Management angeregt, der Anteil der von Mitarbeitern vorgeschlagenen Projekte ist aber kaum geringer. In vielen Fällen wurden konkrete Nutzen wie eine signifikante Durchlaufzeitverkürzung oder eine deutliche Steigerung der Prozessqualität genannt. Klar erkennbar sei, dass die Transformation der Wertschöpfungssysteme in Gang gekommen sei und der Nutzen über technologische Veränderungen hinausgehe. „Ich kann nur dazu raten, Pilotprojekte zu starten, ehe die Mitbewerber einen uneinholbaren Vorsprung haben“, so Prof. Herkommer. Die vollständige Studie, die seit Kurzem auf der Unternehmenswebseite zum Download zur Verfügung steht, sei bereits mehrere hundert Male abgerufen worden.

Konkrete Umsetzungsmodelle und systematische Verbesserungen

Wie auch das Thema der Studie – „Industrie 4.0 – Wo steht die Revolution der Arbeitsgestaltung?“- zeige, gehe es Ingenics nicht darum, sich mit Themen wie Industrie 4.0, Internet der Dinge und Big Data als visionär zu profilieren, sondern darum, die Innovationskraft anhand konkreter Ergebnisse zu belegen. Weil die Kernkompetenzen von Ingenics das Planen, Optimieren und Qualifizieren seien, werde das einzigartige Zukunftsthema entlang der gesamten Supply Chain konsequent angepackt. „In Deutschland wird ja immer viel über neue Entwicklungen geredet, allerdings fehlt dann oft der Mut, sie auch umzusetzen“, so Prof. Herkommer. „Es ist höchste Zeit, zu erkennen, was in vielen Unternehmen bereits ,State of the art“ ist und sich über konkrete Umsetzungsmodelle und deren systematische Verbesserung auszutauschen.“

Die eingeladenen Experten durften als Garanten für den angemahnten Austausch auf höchstem Niveau gelten: Prof. Dr.-Ing. Thomas Bauernhansl, Leiter des Fraunhofer Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart sowie des Instituts für industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb (IFF) der Universität Stuttgart; Dr. Christof Bönsch, Geschäftsführer der Komet Group mit Sitz in Besigheim (Baden-Württemberg); Data Scientist Benjamin Aunkofer, Geschäftsführer der DatanomiQ aus Berlin. Hinzu kam als Experte der etwas anderen Art: der in Frankreich und Washington D. C. lebende schottische Bestsellerautor Martin Walker. Als Novum bei den Ulmer Gesprächen gab es eine kleine aber interessante Ausstellung wichtiger Ingenics Partner: das Laserzentrum Nord mit Beispielen aus der Praxis additiver Fertigungsverfahren (3D-Druck); Mojix als Pionier aktiver und passiver RFID-Technologien; iTiZZiMO, u. a. Anbieter von Datenbrillen für Augmented Reality Anwendungen, Dialogbild, Experten für die Visualisierung von Prozessen, Veränderungen und Visionen.

Bei Übergabe des Moderatoren-Mikrofons an Ute Brucker (ARD Weltspiegel) hatte Prof. Herkommer bereits die Linie vorgegeben und die Erwartungen weiter in die Höhe getrieben.

„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.“

Der Einstieg in die Expertenvorträge erfolgte auf dem höchst möglichen Niveau. Prof. Bauernhansl gehört nicht nur längst zu den Meinungsführern zum Thema Digitale Transformation sondern auch zu den Initiatoren des Strategiekreises der Plattform Industrie 4.0 der Bundesregierung. An der Schwelle zur „4. Industriellen Revolution“ führe die steigende Komplexität zu neuen Wertschöpfungssystemen in der durchgängig digitalisierten Welt des von Big Data, cloudbasierten Plattformen, Echtzeitdatenmodellen (digitaler Schatten) und CPS bestimmten Internet of Everything. Dabei werde sich die Zahl der Internetnutzer von drei Milliarden Menschen im Jahr 2014 bzw. der 17 Milliarden über das Internet vernetzten Dinge bis 2020 mindestens verdoppeln. In den entstehenden neuen Formen des Wirtschaftens, vorangetrieben beispielsweise durch den sich am Personalisierungsprozess beteiligenden Kunden („Prosumer“), zu dem sich in der „Shared Economy“ der Consumer entwickelt, komme es bei zunehmender Vernetzung und Personalisierung zum Wandel der gesamten Produktarchitektur, so Prof. Bauernhansl. „Die Fähigkeit, die Komplexität effektiv zu steuern, wird hier zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.“ Offene Architekturen in Verbindung mit cyberphysischen Systemen legten die Basis für „Big Bang Disruptions“. Es sei faszinierend, zu beobachten, dass man sich im Zuge der „4. Industriellen Revolution“ insofern wieder dem Zustand aus der Zeit vor der „1. Industriellen Revolution“ annähere, als handwerklich hergestellte Produkte mit Stückzahl 1 alternativlos waren, Planung und Ausführung aus einer Hand kamen. Mit dem nicht unwesentlichen Unterschied allerdings, dass nach der Erfahrung der „2. Industriellen Revolution“ mit der Massenproduktion auf der Basis großer Stückzahlen nach Ford und Taylor inzwischen Digitalisierung und Vernetzung kundenindividuelle Produkte zum Herstellungspreis von Massenprodukten ermöglichen.

Als ein Beispiel für den Aufbau eines Business Ecosystems nannte Prof. Bauernhansl „365FarmNet“, eine von 27 Partnern getragenen Initiative aus der Landmaschinenbranche zur Digitalisierung durch Vernetzung von Maschinen, Auswertung der Kundendaten zur Optimierung des landwirtschaftlichen Betriebs und Nutzung von Serviceapplikationen im Farmmanagement. Weitere Praxisbeispiele sind der Greifsystemehersteller Schunk (Lauffen/Neckar), wo seit Anfang 2015 durch Integration von Kunden in den Entwicklungsprozess eine erhebliche Verkürzung der Bestell- und Lieferzeiten realisiert wurde, und Trumpf (Ditzingen) mit der in Karlsruhe angesiedelten digitalen Geschäftsplattform für Fertigungsunternehmen Axoom.

Zehn Gebote der Digitalisierung

Um die Gestaltung von wandlungsfähigen Wertschöpfungssystemen zu optimieren, rät Prof. Bauernhansl zur Beachtung von zehn Richtlinien:
1. Integriere Produktions- und Logistiksystem zu einem Wertschöpfungssystem.
2. Löse Band und Takt auf.
3. Gestalte Prozesse und Strukturen mobil und skalierbar.
4. Gestalte intelligente Systeme (sich selbst steuernde Elemente des Wertschöpfungssystems mit Fähigkeit zur Selbstheilung).
5. Mache Hilfsprozesse wertschöpfend.
6. Ersetze Material- durch Informationsfluss (Reduzierung von Sicherheitsbeständen und Verschwendung).
7. Verlagere Prozesskomplexität an die Stelle, an der sie am effizientesten handhabbar ist (Integration von Lieferanten und Kunden als produktiv tätige Partner).
8. Bilde Systemelemente und Prozesse kontinuierlich im digitalen Schatten ab (Cloud).
9. Optimiere die Produktion mit Big Data Analysemethoden (Korrelation ist wichtiger als Kausalität; smarte Optimierung der Produktivität).
10. Fokussiere die Rolle des Menschen auf Gestaltung und Optimierung.

Durch den Wandel im Verhältnis von Mensch und Arbeitswelt sieht Prof. Bauernhansl höherwertige Arbeitsplätze entstehen – in begrenzter Zahl freilich. „Alle Experten erwarten eine Gesamt-Performance-Steigerung von 30 bis 50 Prozent in der Wertschöpfung“, sagte Prof. Bauernhansl und brachte mit dem chinesischen Sprichwort die Optionen auf den Punkt: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.“

In der digitalen Welt ändern sich Geschäftsmodelle zwangsläufig

Dr. Christof Bönsch lässt von Anfang an keinen Zweifel daran aufkommen, dass er ein entschiedener Verfechter der digitalen Transformation durch Industrie 4.0 ist. Im Bereich der zerspanenden Fertigung hat die Komet Group, Technologie- und Innovationsführer bei der Bohrungsbearbeitung, längst Produkte im Portfolio, die ohne additive Fertigung auf der Basis von präzisen Kundendaten gar nicht herstellbar wären. „Kundenorientierung durch Digitalisierung“, nennt das Dr. Bönsch, der es geschafft hat, individualisierte Standardprodukte mit Losgröße 1 zu realisieren und dabei die Kosten um 30 Prozent senken. „Bei Komet ist die Digitalisierung der Innovationsmotor; wir entwickeln uns vom Produktanbieter zum Anbieter von Prozesslösungen“, erklärt Dr. Bönsch und nennt vier Ansätze für eine erfolgreiche Digitalisierung:
1.Einsatz von Assistenzsystemen z. B. für Kollisions- und Qualitätsüberwachung
2.Digitalisierung der Produktentstehung (digitale Supply Chain)
3.Additive Fertigung
4.Neue Geschäftsfelder erschließen z. B. durch Bereitstellung von Risikokapital für die Frühphasenfinanzierung von Start-ups.

Hacker-Mentalität und künstliche Intelligenz für Data Science

Benjamin Aunkofer brachte selbst ein wenig Start-up-Flair aufs Podium. Sein Thema, die Instrumente und Möglichkeiten von Big Data Analytics und Data Science in der Industrie 4.0 sowie der Aufbau von künstlichen neuronalen Netzen, erweiterte den Blickwinkel noch einmal. Die Arbeit von Data Scientists bei DatanomiQ erfordere eine Art Hacker-Mentalität – etwa bei der Schwachstellenanalyse von Systemen und dem auf Prozesse ausgerichteten Data Mining. An dem Umstand, dass künstliche neuronale Netze und dezentrale Produktionssteuerung Fertigung und Jobprofile grundlegend verändern und Unternehmen künftig auch nach Umfang und Qualität der zur Verfügung stehenden Daten bewertet werden, lässt Benjamin Aunkofer ebenso wenig Zweifel aufkommen wie an dem Umstand, dass die Zeit der herkömmlichen ERP-Systeme bald vorbei sein dürfte. Die folgenreichste Erkenntnis ist aber wohl die, dass künstliche neuronale Netze trainierbar sind und zur Reduzierung von Durchlaufzeiten, zur Optimierung von Lagerbeständen, zur Optimierung von Gewährleistungskosten bis hin zur Vorhersagbarkeit von Maschinenausfällen sehr viel beitragen können. „Big-Data- und Data-Science-Projekte sind per se interdisziplinär und ermöglichen eine alles umfassende Geschäftsdatenanalyse“, so Benjamin Aunkofer. „Wenn eine Smart Factory 20 TB Daten pro Tag generiert, wird das keine Ausnahme sein.“

Auch der nächste Gast – der keinen Vortrag hielt, sondern von Ute Brucker interviewt wurde- erwies sich als Experte für Zukunftsthemen. Martin Walker, schottischer Historiker, Journalist und Schriftsteller, ist durch seinen südfranzösischen Kriminalisten Bruno einem größeren Publikum bekannt. Im vorigen Jahr hat er den utopischen Roman „Germany 2064“ vorgelegt, der es prompt auf die Shortlist des deutschen Wirtschaftsbuchpreises 2015 geschafft hat. Dass deutsche Politiker über Perspektiven für die kommenden 40 bis 50 Jahre nachdenken – im Gegensatz zu ihren amerikanischen und britischen Kollegen, die „nur zwei bis drei Jahre im Blick haben“ – beeindruckt ihn. Dennoch kann er nicht erkennen, dass sie Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Entwicklung der Arbeitswelt hätten.

Podiumsdiskussion: Der Mensch am Schalter?

In der von Ute Brucker moderierten abschließenden Podiumsdiskussion sah Benjamin Aunkofer die Maschine ganz klar auf dem Weg vom Assistenzsystem zu „dem, der sagt, wo es lang geht“.

Prof. Bauernhansl berichtete von Versuchen, in denen Roboter in der Kommunikation mit ihresgleichen selbständig begonnen haben, die Sprache zu optimieren. Die Idee der Abkoppelung der Erwerbsarbeit ist dem IPA-Chef nicht fremd, ob aber der Großteil der Menschen ein Leben ohne Arbeit als „erfüllt“ empfinden würde, sei fast unmöglich einzuschätzen. Menschen seien zwar in kreativen Problemlösungsprozessen den Maschinen überlegen, dennoch glaube er, dass in wenigen Jahren Maschinen Maschinen zu bauen begännen. Dann müsse es gesichert sein, dass der Mensch noch an den Schalter komme.

Dr. Bönsch befürchtet, dass ihre Unbeweglichkeit vielen Großunternehmen zum Verhängnis werden könne, während KMU, die den Überlebenskampf gewohnt seien, von der Digitalisierung leichter profitieren könnten. Leider hinke die Infrastruktur hinter dem Bedarf her.

Martin Walker, der auf lange Sicht sehr optimistisch ist, geht davon aus, dass sich die Menschheit in den kommenden 15 Jahren das Leben noch einmal sehr schwer machen wird.

Nicht als Romancier, sondern als Praktiker, Firmenlenker und Gastgeber wies Prof. Herkommer schließlich darauf hin, dass Ingenics die etablierten Marken Management Consulting, Interim-Management, Engineering und Services durch die neue Ingenics Digital Solutions ergänzt hat, die sich mit neuen digitalen Geschäftsmodellen beschäftigt und umfangreiche Angebote zu den Themenfeldern Digitalisierung, Industrie 4.0, Business Intelligence, Lean Data Management, Lean Data Logistics sowie Lean IT Management macht. Abgesehen davon, dass die Folgen sich selbst optimierender Maschinen noch nicht ausreichend untersucht sind, müssten die deutschen Unternehmen in erster Linie schnell genug ihre Lernfähigkeit weiterentwickeln, sagte Prof. Herkommer. Gleichzeitig müssten Arbeitgeber und Gewerkschaften den Umgang mit Daten neu austarieren.

Nach über vier Stunden intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema des Tages lud Prof. Herkommer seine Gäste zum „Flying Buffet“ und weiteren angeregten Gesprächen ins Cafe des Stadthauses ein.

Über Ingenics
Ingenics berät Unternehmen aus verschiedenen Branchen bei Planungs-, Optimierungs- und Qualifizierungsprojekten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Diese drei Kernleistungen erbringt Ingenics in den drei Bereichen Fabrik, Logistik und Organisation und steht deshalb für Effizienzsteigerung [hoch 3]. Eine dezidierte Industrie 4.0 Expertise, ein erwartungsgerechtes Interim-Management sowie bedarfsorientierte Ingenieurs- und Servicedienstleistungen runden das Leistungsportfolio ab.
Zu den Ingenics Kunden gehört die Elite der deutschen und europäischen Wirtschaft. Über nationale Projekte hinaus ist Ingenics für Großunternehmen wie für den Mittelstand auch ein gefragter Partner für weltweite Suche, Wahl, Planung und Realisierung neuer Produktionsstandorte, beispielsweise in Mexiko, China, den USA und Osteuropa.
Derzeit beschäftigt Ingenics 455 Mitarbeiter unterschiedlichster Ausbildungsdisziplinen. Mit hoher Methodenkompetenz und systematischem Wissensmanagement wurden in über 35 Jahren mehr als 5.300 Projekte erfolgreich abgeschlossen.

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Wirtschaft Handel Maschinenbau

Bei der intelligenten Vernetzung liegt Deutschland vorne – dennoch müssen Unternehmen dringend mehr IT-Kompetenzen aufbauen

14. Ulmer Gespräche zum Thema „Industrie 4.0 – Vom Nebeneinander zum Miteinander von Mensch und Maschine“ – IAO stellt wichtigste Ergebnisse der großen Ingenics Studie „Produktionsarbeit der Zukunft“ vor.

Bei der intelligenten Vernetzung liegt Deutschland vorne - dennoch müssen Unternehmen dringend mehr IT-Kompetenzen aufbauen

v. l. n. r.: Dr. Schlund, W. Küstenmacher, O. Herkommer, S. Anhalt, J. Hofmann, Prof. Emmelmann

(Ulm) – Zum 14. Mal lud die Ingenics AG Entscheider aus der Wirtschaft zu den „Ulmer Gesprächen“ ein. Im Stadthaus am Münsterplatz begrüßte CEO Oliver Herkommer am 15. Oktober rund 170 Führungskräfte aus deutschen Unternehmen. Unter der Überschrift „Industrie 4.0 – Vom Nebeneinander zum Miteinander von Mensch und Maschine – Effizienz durch mehr Intelligenz in Prozessen und Systemen“ schlug Ingenics mit vier Vorträgen einen großen Bogen vom Anwender, der sehr konkrete Vorstellungen von Industrie 4.0 hat und schon Erfolge melden kann, über den speziellen Bereich des so genannten 3D-Druck-Verfahrens bis hin zur Präsentation der wichtigsten Ergebnisse der Ingenics Studie „Produktionsarbeit der Zukunft“ durch das Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO).

Auf dem Weg zur wirtschaftlichen Fertigung der Losgröße eins wird der Mitarbeiter vom Bediener zum „Augmented Operator“

Weil uns die Auseinandersetzung mit „Industrie 4.0“ weiterhin intensiv beschäftigen muss und wird, stellt Ingenics das Thema ein weiteres Jahr in den Mittelpunkt seiner gesamten Kommunikation. „Die Digitalisierung mit allen Facetten ist zu komplex, um sie in einem Jahr abzuhandeln“, erklärte Oliver Herkommer. Immerhin gebe es Unternehmen, in denen der Produktentstehungsprozess heute schon die Realität von morgen erkennen lasse. Dass man als eines der führenden technischen Beratungsunternehmen an entsprechenden neuen Beratungsprodukten arbeitet, versteht sich.

Die als Moderatorin engagierte SWR Hörfunkredakteurin Stefanie Anhalt überließ anschließend das Mikrofon Dipl.-Ing. Johann Hofmann, Leiter des Geschäftsbereichs „Value Facturing“ bei der Maschinenfabrik Reinhausen GmbH in Regensburg. Zuvor wies sie darauf hin, dass zeitgleich mit diesen Ulmer Gesprächen der Stuttgarter Landtag eine Strategie beriet, die Baden-Württemberg zum Vorreiter für Industrie 4.0 machen soll.

Johann Hofmann bot ein beeindruckendes Beispiel für den erfolgreichen Einstieg in 4.0. Die Maschinenfabrik Reinhausen hat seine Vorstellungen im Wesentlichen bereits umgesetzt und bekam für „Deutschlands intelligenteste Fabrik“ (Presse) den ersten „Industrie 4.0 Award“ der Zeitschrift „Produktion“. „Das intelligente Werkstück navigiert sich selbständig durch die Supply Chain und steuert seine Anwendung selbst“, beschrieb Johann Hofmann das papierlose „Value Facturing“ mit einer Datendrehscheibe als zentrales Assistenzsystem für die dem Maschinenpark zur Verfügung gestellte Datenanreicherung. „Wichtig ist, dass auf dem Weg von CIM über Lean und über die Segmentierung in der fraktalen Fabrik bis zu Industrie 4.0 kein Schritt ausgelassen wird“, so Johann Hofmann. Komplexität sei zwar nicht wirklich berechenbar, aber zusammen würden Lean und 4.0 zu einer Methodik, mit der sich die Komplexität beherrschen lasse. Auf dem Weg zur wirtschaftlichen Fertigung der Losgröße eins müsse sich der Mitarbeiter vom Bediener zum Steuerer bzw. zum „Augmented Operator“ in der „Smart Factory“ entwickeln.

Vertausendfachung der Produktivität durch 3D-Druck-Verfahren

Mit der Frage „3D-Druck-Verfahren – Medienhype oder industrielle Revolution?“ griff der Leiter des Instituts für Laser- und Anlagensystemtechnik an der Technischen Universität Hamburg-Harburg und Geschäftsführer der LZN Laser Zentrum Nord GmbH, Prof. Dr.-Ing. Claus Emmelmann, einen Aspekt von Industrie 4.0 auf, der zu Recht in aller Munde ist, obwohl die Wenigsten mit den technischen Details dieses additiven Fertigungsverfahrens (Materialien: Draht, Pulver, Folie, Paste etc.) vertraut sind. „Wir sprechen über die Möglichkeit einer Produktivitätssteigerung um das 1.000fache“, betonte Prof. Emmelmann. Die benötigte Lasertechnologie sei ja heute schon kein entscheidender Kostenfaktor mehr. „Die industrielle 3D-Druck-Revolution hat begonnen, die USA investieren eine Milliarde USD, die Chinesen wahrscheinlich noch mehr, aber noch kommen alle Maschinen aus Deutschland, wo neuartige Wertschöpfungsketten entwickelt werden.“ Das 3D-Druck-Verfahren ermögliche eine 1.000fache Beschleunigung. „Jetzt lautet unsere Frage: Werden wir die Technologie in Deutschland entschlossen weiterentwickeln oder werden wir wieder einmal zuschauen, wie Andere an unseren Ideen verdienen?“ Es gebe Branchen, in denen heute schon Geld mit der neuen Technologie zu verdienen sei, so Prof. Emmelmann. Im Flugzeugbau etwa sei man gerne bereit, für leichtere Teile Geld auszugeben, die Medizintechnik sei z. B. an körperverträglichen Implantaten interessiert. So werden für die Luft- und Raumfahrt Verbindungsteile mit Gitterstrukturaufbau entwickelt, die eine beispiellose Gestaltungsfreiheit mit einer konkurrenzlos kurzen Time-to-market und einer hohe Ressourcen- und Energieeffizienz verbinden. In einem Fall konnte durch derartiges „Light Engineering“ die Lieferzeit für Ersatzteile von 96 auf 22 Wochen reduziert werden.

Industrie 4.0 wird nur zum Erfolg, wenn es mehr ist, als reine Technologienutzung

Ob man im Zusammenhang mit Industrie 4.0 von einer Revolution der Arbeitsgestaltung sprechen kann oder der Begriff Evolution treffender ist, wird die große Studie zur Produktionsarbeit der Zukunft, die Ingenics gemeinsam mit dem IAO durchgeführt und inzwischen weitgehend abgeschlossen hat, vielleicht noch nicht abschließend beantworten können. Dr.-Ing. Sebastian Schlund, Leiter des Competence Centers Produktionsmanagement beim IAO, stellte immerhin klar, dass nicht befürchtet werden muss, die echtzeitfähige intelligente Vernetzung von Teilen mit IP-Adressen in sich selbst organisierenden Systemen würde zu „Fabriken ohne Menschen“ führen. Zwar könnten in den kommenden 20 Jahren die Jobs von zwei Dritteln der Maschinenbediener entfallen – für einen erheblichen Teil davon werden aber neue Aufgabengebiete als „kreative Facharbeiter mit Zusatzqualifikationen“ entstehen. Dass in rund 50 Prozent der 518 überwiegend mittelständischen Unternehmen (durchschnittlich 250 Mitarbeiter) wichtige Voraussetzungen wie die zuverlässige WLAN-Verfügbarkeit und ein Breitbandnetz verfügbar sind, ist wohl nicht so überraschend wie der Umstand, dass über 60 Prozent angaben, entweder die fehlende Fähigkeit zur Veränderung in der Organisation oder fehlende technische Voraussetzungen seien entscheidende Hindernisse bei der Realisierung von 4.0. Als Mehrwert wurde vor allem die Effizienzsteigerung im Bereich der Vernetzung von Maschinen (72 Prozent), der Supply Chain (78 Prozent) und der Auftragsabwicklung (77 Prozent) gesehen. Dass es zu einer Flexibilisierung der Arbeitszeitsysteme kommen werde, erwarten 63 Prozent, Qualifizierungsbedarf der Mitarbeiter im indirekten Bereich erwarten 80, in der Logistik immerhin 75 Prozent. „Die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen, interdisziplinäres Denken und Handeln, die Fähigkeit zum permanenten Austausch zwischen Mensch und Maschine und die Erfordernis von mehr Systemwissen sind die Kompetenzen, deren Bedeutung am meisten zunehmen wird“, so Dr. Schlund. „4.0 wird nur zum Erfolg, wenn es mehr ist, als reine Technologienutzung, mein Rat lautet: Beteiligen Sie Ihre Mitarbeiter als Gestalter und Innovatoren. Dann wird 4.0 die Wertschöpfung tiefgreifend verändern.“ Die Studie, die entscheidende Hinweise darauf gibt, welche Herausforderungen im Bereich der Arbeitsorganisation zu bewältigen sein werden, wird ab Mitte November abgeschlossen sein und in gedruckter Form vorliegen.

Die Revolution in evolutionären Schritten – jetzt den Einstieg nicht verpassen

Heute geben sechs Prozent der – durch Ingenics und IAO befragten – Unternehmen an, bereits Aspekte von 4.0 zu realisieren. In der die Fachvorträge abschließenden Diskussion der Referenten war man sich einig, dass gerade die deutsche Wirtschaft beste Chancen hat, die „Smart Factory“ (so die international übliche Bezeichnung) zur Erfolgsgeschichte zu machen. „Deutschland kommt von der Automatisierung her, das ist ein ganz großer Vorteil“, sagte Oliver Herkommer. Entscheidend sei jetzt, den Einstieg nicht zu verpassen. „Wir raten dazu, die Elemente herauszugreifen, die einen unmittelbaren Nutzen bringen, für alle Beteiligten ist die Revolution in evolutionären Schritten am besten zu verkraften.“ Auf keinen Fall sei es ratsam, zu warten, bis der Wettbewerbsdruck zum Handeln zwinge, rät auch Prof. Emmelmann. „Sonst kann es passieren, dass es der deutschen Wirtschaft geht, wie beim Faxgerät oder beim MP3-Player: Wir erfinden, andere verdienen.“ Dr. Schlund wies auf die Problematik der Datensicherheit hin, die in den kommenden Jahren noch einiges Nachdenken erfordern werde. Derzeit, waren sich alle einig, liegt Deutschland bei der intelligenten Vernetzung weit vorne. Das Dringendste sei nun der Aufbau zusätzlicher IT-Kompetenzen und die weitere Entwicklung digitaler Tools, zum Beispiel für die Konstruktion und den gesamten Produktentstehungsprozess.

Im Vergleich mit den schwergewichtigen Themen rund um Industrie 4.0 war der abschließende Vortrag von Werner Tiki Küstenmacher geradezu entspannend. Der durch seine ZDF-Videokolumne „Tikis Welt“ bekannt gewordene evangelische Pfarrer und Journalist wurde mit dem Ratgeber „simplify your life“, der in 40 Sprachen übersetzt und über drei Millionen mal verkauft wurde, zum Bestsellerautor. Für die Ulmer Gespräche hatte er sich eine Betrachtung über die Gehirnfunktionen, insbesondere das für die Verarbeitung von Emotionen und die Entstehung von Triebverhalten verantwortliche limbische System ausgesucht.

Mit dem programmatischen Fazit „Die Frage, ob man in Industrie 4.0 einsteigen soll oder nicht, stellt sich nicht mehr, wir sind längst mittendrin und in den kommenden fünf Jahren werden elf Milliarden Euro in die digitale Vernetzung investiert, deshalb gilt es jetzt, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln“, bat Oliver Herkommer zum finalen „Flying Buffet“ mit Musik und weiteren angeregten Gesprächen.

Über Ingenics
Die Ingenics AG ist ein innovatives, expandierendes Beratungsunternehmen mit den Geschäftsfeldern Fabrik- und Produktionsplanung, Logistikplanung, Effizienzsteigerung Produktion sowie Effizienzsteigerung Office. Zu den Kunden gehört die Elite der deutschen und europäischen Wirtschaft. Über nationale Projekte hinaus ist die Ingenics AG ein gefragter Partner für die Planung und Realisierung weltweiter Produktionsstandorte, beispielsweise in Indien, China, den USA und Osteuropa. Derzeit beschäftigt Ingenics rund 380 Mitarbeiter unterschiedlichster Ausbildungsdisziplinen. Mit hoher Methodenkompetenz und systematischem Wissensmanagement wurden in über 35 Jahren mehr als 4.700 Projekte erfolgreich durchgeführt. Ingenics begleitet seine Kunden durch das komplette Projekt, von der Konzeption bis zur praktischen Umsetzung der Pläne.

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