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Nachhaltige Erzeugung ist besser als Palmöl-Verzicht

Wie wir beim Einkauf den Tropenwald schützen können

Nachhaltige Erzeugung ist besser als Palmöl-Verzicht

Foto: stock.adobe.com / olezzo (No. 6100)

sup.- Palmöl spielt eine wichtige Rolle bei der Herstellung zahlreicher Waren für den täglichen Gebrauch. Ob Waschmittel oder Lippenstift, ob Süß- oder Wurstwaren – die Verarbeitungsprozesse der unterschiedlichsten Produkte basieren auf den speziellen Eigenschaften dieses Rohstoffs. Schätzungen zufolge enthält rund die Hälfte eines typischen Supermarkt-Sortiments in Deutschland Palmöl. Damit rücken natürlich auch bei den hiesigen Verbrauchern und Umweltverbänden die Umstände seiner Erzeugung in Südost-Asien oder Afrika in den Fokus. Um die Rodung von Tropenwäldern für unkontrollierte Anbauplantagen zu verhindern, gibt es mittlerweile anerkannte Zertifizierungssysteme für verantwortungsvoll gewonnenes Palmöl. „Wir setzen uns hierzulande, aber auch auf EU-Ebene dafür ein, dass agrarische Rohstoffe wie Palmöl nachhaltig erzeugt werden“, erläutert der Parlamentarische Staatssekretär Michael Stübgen vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL): „Unser Bedarf an dem wertvollen Pflanzenöl darf nicht dazu führen, dass kostbare Naturwaldflächen abgeholzt werden, Brandrodungen verheerende Waldbrände auslösen oder Landrechte indigener und anderer Bevölkerungsgruppen verletzt werden.“

Das BMEL unterstützt deshalb die Aktivitäten der Gemeinschaftsinitiative „Forum Nachhaltiges Palmöl“, die sich in enger Zusammenarbeit mit den Erzeugerländern für nachhaltige Anbauverfahren und faire Arbeitsbedingungen in der gesamten Herstellungs- und Lieferkette einsetzt. Den Erfolg dieser Initiative können auch die deutschen Verbraucher Tag für Tag durch ihr Einkaufsverhalten beeinflussen: Jeder Kauf eines zertifizierten Produktes ist ein kleiner Schritt zu dem erklärten Ziel des Forums, dass bis zum Jahr 2020 in Deutschland ausschließlich nachhaltig erzeugtes Palmöl verwendet wird. In der Lebensmittelbranche ist man dieser Vorgabe mit einem aktuellen Anteil von 85 Prozent bereits nahegekommen. Und der weitere Ausbau dieser zertifizierten Produkte hilft dem Tropenwald nach Auskunft des Ernährungs- und Landwirtschaftsministeriums auch wesentlich mehr als beispielsweise ein bewusster Verzicht auf Palmöl: „Aus Sicht des BMEL ist die Substitution von Palmöl durch andere pflanzliche Öle und Fette wie Kokos oder Soja grundsätzlich keine geeignete Antwort auf die Herausforderungen, da damit die Probleme lediglich verlagert oder abhängig von den jeweiligen Erzeugungsstandards sogar verschlimmert werden könnten.“ Der Grund für diese Befürchtung: Alle Alternativen benötigen wesentlich größere Anbauflächen, da im direkten Vergleich die Ölpalme die ertragreichste und damit flächeneffizienteste Ölfrucht ist.

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Gemeinsam ein neues Fundament für eine nachhaltige Landwirtschaft bauen

Erste Runde der öffentlichen Beratungen über den Revisionsentwurf des SAN-Standards für Nachhaltige Landwirtschaft ist erfolgreich beendet

(ddp direct) Das Jahr 2013 steht für das Sustainable Agriculture Network (SAN) ganz im Zeichen der Neufassung des Standards für Nachhaltige Landwirtschaft. Ihn müssen Farmer erfüllen, wenn sie sich für das Siegel Rainforest Alliance Certified™ qualifizieren wollen. Vorschläge für die Revision werden in Workshops auf der ganzen Welt und über ein Online-Portal eingeholt. Dabei ist jeder eingeladen, Feedback zu geben. Am ersten Workshop für den deutschsprachigen Raum, der im Juni in Frankfurt am Main stattfand, beteiligten sich Vertreter aus Politik, Wissenschaft, der Zivilgesellschaft, aus Handel und Industrie. In der ersten, inzwischen abgeschlossenen Runde gingen weltweit über 10.000 Kommentare von fast 950 Teilnehmern aus 50 Ländern beim SAN ein. Alle Kommentare zu den Kriterien fließen in die Neuformulierung für die zweite Runde der Public Consultations ein. Diese startet im Januar 2014. Im besonderen Fokus der öffentlichen Beratung stehen Vorschläge, die direkt von den Erzeugerländern eingebracht werden: Co-Autoren des SAN-Standards sind die Farmer im Ursprung. Kein anderes Zertifizierungsschema dürfte die Erzeuger und ihre Bedürfnisse so stark in die Entwicklung der Kriterien einbinden.
Existenzsichernde LöhneNoch stärker als zuvor wird die neue Version des SAN-Standards das komplexe Feld „living wage“, existenzsichernder Lohn, adressieren. Zur Komplexität trägt bei, dass es kaum staatliche oder institutionelle Vorgaben gibt, was einen Lohn zum Leben ausmacht. Unbedachte Vorgaben können schnell einen ganzen ökonomischen Sektor zum Erliegen bringen. Der neue SAN-Standard schlägt deshalb einen integrierten Ansatz vor: Er bringt die Lebensgrundlage der Farmer, die Nachhaltigkeit der Farm und die Lebensqualität der Farmarbeiter und ihrer Familien in Balance und berücksichtigt Ausgaben für den Lebensunterhalt ebenso wie Rücklagen bilden zu können.
Gleichberechtigung und Schutz vor DiskriminierungNoch schärfer in den Fokus rücken „Gender Equity“ (Gleichberechtigung der Geschlechter) und Verbot der Diskriminierung. Frauen erhalten zudem besonderen Arbeitsschutz in Hinsicht auf mögliche Schwangerschaften – vor allem bei gefährlichen Arbeiten. Transgender sind beim Schutz vor Diskriminierung explizit in den Kriterien mit eingeschlossen.
Künftig auch Reisfarmen zertifizierbarNach dem neuen Standard kann erstmals auch der Anbau von Reis und Jatropha, einer auch in Trockensavannen gedeihenden Ölpflanze, zertifiziert werden. Reis wurde aufgenommen, da von keinem anderen Getreide mehr Menschen abhängig sind und insbesondere der Nass-Anbau massive Belastungen für die Umwelt mit sich bringt. Jatropha gewinnt zunehmend an Bedeutung, da das Öl ihrer Fruchtsamen als Biodiesel und als Nahrungsmittel benutzt werden kann. Die Kriterien für den Anbau beider Pflanzen werden daher komplett in den SAN-Standard integriert.

Neu wird auch der Aufbau des Standards sein. Es wird keine zusätzlichen, ergänzenden Standards mehr geben. Die neue Version wird ab dem Zeitpunkt der Veröffentlichung alle anderen Standards des SAN ablösen.
Entwicklung des StandardsDer Ablauf der Public Consultations erfolgt in einem demokratischen Prozess. Die erste Entwurfsfassung wird von den Experten und Wissenschaftlern des SAN entwickelt. Dieser Entwurf wird in Workshops und online der Öffentlichkeit vorgestellt: Feedback für die kommenden Runden kann unter http://sanstandards.org/sitio/subsections/display/47 abgegeben werden.

„Eine klare Stärke des SAN ist, dass es sich auf wissenschaftlich bewiesene Tatsachen konzentriert“, erklärt Oliver Bach, Director Standards and Policy beim SAN. „Mit den regelmäßigen und öffentlichen Beratungen mit den Stakeholdern über den Standard können wir dafür Sorge tragen, dass die Kriterien der Rainforest-Alliance-Zertifizierung neue Erkenntnisse berücksichtigen und anpassungsfähig bleiben.“ Die Einbindung der Erzeuger sorge zudem dafür, dass er ein „echter Feld- und kein Elfenbeinturm-Standard“ sei.

Juan Marco Alvarez, Besitzer der El Ciprés Kaffeeplantage in El Salvador, kommentiert den Prozess von der produzierenden Seite: „Wir wissen, dass der neue Standard noch strenger sein wird. Aber wir betrachten die Überarbeitung nicht nur als eine Möglichkeit, die nachhaltige Landwirtschaft weltweit zu verbessern, sondern auch als Chance, unsere Produkte und uns als Unternehmer wettbewerbsfähiger zu machen.“ „Denn“, so Alvarez weiter, „die Philosophie aus kontinuierlicher Verbesserung, basierend auf einem belastbaren sozio-ökonomischen Managementplan, ist der Schlüssel für mehr Effizienz, nachhaltige Ernteerträge und eine bessere Kaffeequalität auf unserer Farm.“ Seine Farm ist seit 2009 zertifiziert.

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