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Der Fliegende Holländer am Staatstheater Braunschweig als maritime Geisterstunde mit einseitig liebevoller Erlösungsstimmung

Mit Richard Wagners Oper „Der Fliegender Holländer“ eröffnet das Staatstheater Braunschweig glanzvoll die neue Opernsaison

Der Fliegende Holländer am Staatstheater Braunschweig als maritime Geisterstunde mit einseitig liebevoller Erlösungsstimmung

Schon vor Beginn der Oper stimmte die Regisseurin Isabel Ostermann, die seit der letzten Spielzeit am Staatstheater Braunschweig als Operndirektorin wirkt, die Zuschauer im Großen Haus mit bedrohendem Gewitter vom Band sowie Blitzen im Zuschauerraum und mit großem Segelschiffmodel in der Eingangshalle auf den „Fliegenden Holländer“ ein. Wer bei „Blitz und Donner“ an Johann Strauß Schnellpolka denkt, findet sich in Braunschweig im „Fliegenden Holländer“ wieder. Isabel Ostermann ist mit ihrer Inszenierung der romantisch gruseligen Seefahreroper eine dichte, dramatische Darstellung gelungen, die packend und nicht althergebracht ist. Der Holländer auf der Bühne des Staatstheaters wirkt alt und abgekämpft und es ist nicht nachvollziehbar, warum sich das blonde Mädel Senta unsterblich in ihn verliebt. Das Einheitsbühnenbild von Stephan von Wedel bietet eine geräumige Spielfläche und lässt sich als Empfangshalle eines Schifffahrtskonzerns interpretieren. Hier sind Dalands Schiff auf der linken Seite und das des Holländers auf der rechten Seite als Modelle zu erkennen. Eine Uhr am Bühnenportal und eine Uhr im Bühnenbild. Beide Uhren gehen gegenläufig und zeigen erst im Finale die gleiche Zeit an.

Nach langer Zeit konnte man in Braunschweig wieder einen sehr gut geführten Chor und Opernsolisten erleben. Der Regisseurin ist es gelungen, den Choristen und natürlich auch den Solisten ihre Sicht der Inszenierung zu vermitteln. Dadurch können Szenen und Augenblicke entstehen, die über die übliche Chorsänger- und Solisten-Führung hinausgehen. Jeder Sänger hatte seinen darzustellenden Charakter verinnerlicht und spielt ihn voll aus. Ostermann führt jede Person glaubhaft und macht die Handlung nicht nur dadurch zu einem atemberaubenden Erlebnis. Wenn Senta im Brautkleid dem Holländer im Hochzeitsanzug während des Finales die Füße wäscht, erinnert diese rituelle Handlung an den Parzival. Der „Fliegende Holländer“ wird in Braunschweig ohne die Unterbrechung durch eine Pause gespielt. Die rund 135 Minuten sind niemals langweilig oder über die Maßen verstörend und für den dramaturgischen und musikalischen Fluss ist das ununterbrochene Spiel zu befürworten. Isabel Ostermann sei angeraten, zukünftig noch mehr auf die Positionierung und Körperhaltung der Sänger zu achten, um deren akustische Wirkung nicht einzuschränken. Ein Sonderlob verdient die Lichtregie von Katharina Müller. Wenn Sie beispielsweise den Holländer hinter seinem Schiffsmodel von einem Einzelscheinwerfer anstrahlt, macht das ungemeinen Effekt.
Gesanglich rauben Chor- und Extrachor des Staatstheaters dem Publikum fast den Atem. Inbrünstig zaubern die Choristen gesangliche Gemälde. Lediglich die Soprane im Chorpart in Sentas Ballade müssen von der Chordirektion (Georg Menskes und Johanna Motter) für die nächsten Vorstellungen noch mehr hinsichtlich homogenem Gesang eingenordet werden. Es scheint als würden sich die Soprane des Extrachores zurückhalten und dadurch klingen die Soprane des Staatstheaterchores durch. Die Horngruppe des Staatsorchesters Braunschweig muss rasch zu ihrer Spielqualität zurückfinden, um ein komplett meisterliches Orchesterereignis möglich zu machen. Das sind die einzigen Kritikpunkte am Spiel des Orchesters und Gesang der Chöre. Die Kostüme von Stephan von Wedel und Julia Burkhardt sind modern und unauffällig oder wenn sie den Herrenchor in Shantychor-Outfit zeigen, der Inszenierung gut entsprechend.

Die anrührende, spannungsgeladene Inszenierung wurde vom Staatsorchester Braunschweig unter seinem Generalmusikdirektor Srba Dinic fesselnd akzentuiert begleitet. Außerordentlich rasche Tempi entfalteten die Staatsmusiker nicht. In der stürmischen und aufwallenden Ouvertüre zeigt der Dirigent, dass er Wagners Partitur voll auskosten wird. Und doch ist Maestro Dinic ein feiner Begleiter der Sänger. Er trägt sie förmlich auf Händen und so geht kaum ein Wort der sehr gut verständlich singenden Darsteller verloren. Die Musik Wagners scheint den Musikern des Staatsorchesters Braunschweig besonders zu liegen und so spielen die Orchestergruppen aufmerksam und mustergültig. Wenn die Hörner nicht Intonationsprobleme gehabt hätten, müssten die Blechbläser des traditionsreichen Klangkörpers gesondert gelobt werden. Im Finale bietet die Theatertechnik, Chor und Orchester alles auf, was ein Opernbetrieb zulässt. Von besonderer Wucht sind hier die Chöre und das von Srba Dinic aufgepeitschte Staatsorchester Braunschweig. 135 Minuten lang hielt der Generalmusikdirektor Dinic sicher alle Fäden in der Hand und Wackler oder Unstimmigkeiten blieben aus.

Seit Beginn der Generalintendanz von Dagmar Schlingmann, der Operndirektion von Isabel Ostermann und der Generalmusikdirektion von Srba Dinic in der vergangenen Spielzeit hat sich ein hervorragendes 14 Sängerinnen und Sänger umfassendes Ensemble entwickelt und so kann der „Fliegende Holländer“ in Braunschweig mit lediglich einem Gast – dem Holländer – gegeben werden. Mit klangvollem, heldenbaritonalem Organ wartet Jaco Venter als Holländer auf. Seine saftig kräftige Stimme macht ihn zu einem würdevollen Holländer, der ohne Probleme in der Höhe oder Tiefe sowie dem dramatischen Ausbruch blieb. Er stellt einen gealterten, verzweifelten Meereswanderer dar. Wenn er beim Kennenlernen Senta tapsig eine Tasse überreicht, statt sie zu umarmen, hat das berührendes Format. Seine Senta ist die Entdeckung des Abends! Mit Inga-Britt Andersson kommt eine junge, attraktive, blonde Sopranistin mit großer Ausstrahlung auf die Bühne des Staatstheaters. Womit sie der Holländer in den Bann zieht, bleibt unerklärlich. Liebt Senta der Liebe willen – um jeden Preis – bis zum Tod? Sie ist ein keckes Mädchen mit Selbstbewusstsein, das mit den anderen Mädels in der Fischfabrik unter Anleitung von Frau Mary Fische ausnimmt. Hat sie sich mehr vom Leben erhofft und der Holländer ist die Rettung? Sie besitzt einen nordischen, lyrisch-dramatischen Sopran, der klar und ohne Intonationsprobleme wundervoll anspricht. Die Sängerin verfügt über ausreichend Kraftreserven, um Senta auch ein dramatisches Profil zu geben. In der Ballade zeigt sie eine gute Klangbalance und präsentiert hier jubelnde Spitzentöne. Inga-Britt Andersson ist in Stimme und Spiel die ideale Senta! Mit Matthias Stier und Kwonsoo Jeon hat das Staatstheater Braunschweig zwei Tenöre unter Vertrag, die den lyrischen wie dramatischen Ansprüchen der Partien Steuermann und Erik gerecht werden. Mathias Stier ist mit seinem kraftvoll sonor und trotzdem lyrisch klingenden Tenor eine edle Besetzung für den Steuermann, wie sich Bayreuth ihn nur wünschen kann. Durchschlagskräftig ist auch Kwonsoo Jeon als Erik, der aber etwas mehr Schmelz in der Stimme haben dürfte. Im Vergleich der stimmlichen Qualität liegt Mathias Stier eindeutig vor Kwonsoo Jeon, der den Erik aggressiv spielt und zuweilen fast grobschlächtig singt.

Bedauerlicherweise fehlt es Zhenyi Hou als Mary an einer satten tiefen Grundierung ihres angenehm ansprechenden Mezzosoprans. Die junge neu ins Ensemble des Staatstheaters gewechselte Sängerin kann schauspielerisch nicht ausgleichen, was ihrer Stimme an Fundament in der tiefen Lage fehlt. Das Staatstheater Braunschweig hätte mindestens eine Mezzosopranistin im Ensemble, die hier mehr satte Tiefe und Ausdruckskraft präsentieren könnte. Eine akustische und darstellerische Freude dagegen ist der seriöse Bass Michael Eder als trinkfreudiger Daland. Im Kostüm eines väterlich agierenden Versicherungsvertreters gibt der schlanke Sänger mit schwarzem Bass einen ernstzunehmenden Daland. Der in Wien ausgebildete Sänger, der mehr als 600 Auftritte an der Dresdner Semperoper während seiner künstlerischen Laufbahn gesammelt hat und der weltweit an vielen großen Häusern gastierte, zeigt einen glaubhaften Daland mit urdeutscher Stimme, die keine Einschränkungen oder Probleme zeigt. Im Gegenteil: Balsamisch, kraftvoll in allen Lagen macht sein Gesang Lust auf mehr. Für die Braunschweiger ist es ein Glücksfall, dass Michael Eder ab dieser Spielzeit zum Ensemble gehört und viele große und kleine Rollen übernehmen wird. Ohne Buffo-Attitüde agiert er als Daland und hat Glück, dass seine Senta sich sozusagen in die Liebe zum Holländer stürzen möchte, sodass er sie nicht an ihn „verkaufen“ muss und sich, nachdem sich Holländer und Senta kennengelernt haben, ruhig eine Flasche Schampus, den Erik eigentlich für Senta mitgebracht hatte, auf seinen neuen Reichtum gönnen kann.

Das Publikum im fast ausverkauften Großen Haus des Staatstheaters Braunschweig bejubelt die Sänger, Srba Dinic, der wie bei jeder Musiktheaterpremiere die Musiker des Staatsorchesters Braunschweig vom Graben auf die Bühne holt, den Chor und Extrachor und zeigt sich auch beim Inszenierungsteam angetan. Trotz zeitgemäßer Umsetzung gerät bei Isabel Ostermann und ihrem Team nichts aus den Fugen oder zum Ärgernis für das Publikum. Musikalische Leistung mit einem wahren Sängerfest bei spannender szenischer Umsetzung, die nachdenklich macht und Langeweile keinen Raum lässt, machen diesen „Fliegenden Holländer“ sicher zu einem Publikumsrenner am Staatstheater Braunschweig. Hingehen!

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Oper Carmen gegen den Strich gebürstet oder Don José als mordlüsterner Revolverheld

Das Burgplatz Open Air in Braunschweig geht mit Bizets Carmen in die fünfzehnte Saison

Oper Carmen gegen den Strich gebürstet oder Don José als mordlüsterner Revolverheld

(NL/6903450264) Seit fünfzehn Jahren bereichert das Staatstheater Braunschweig mit seinem Open Air Programm auf dem Burgplatz in einer eigens dafür errichteten Arena das Kulturleben der Okerstadt. In diesem Jahr steht mit der Opéra-comique von Georges Bizet Meisterwerk wie zu Beginn der Freiluftaufführungs-Ära Carmen erneut auf dem Spielplan. Regisseur Philipp M. Krenn war angetreten, die oft volksfesthafte Aufführungspraktik gänzlich gegen den Strich zu bürsten. Generalmusikdirektor Srba Dinic stand dem nicht nach, denn er interpretierte Bizets Partitur nicht als Popkonzert mit gehörigem Um-Tata, sondern mit dem umsichtigen und bestens aufgelegten Staatsorchester Braunschweig feinfühlig. Er ließ auch zarte Töne zu und kostete die Möglichkeiten einer dramatischen Entwicklung ohne eindimensionale Knalleffekte aus. Schon die Ouvertüre ließ in ihrer musikalischen Vielfalt aufhorchen. Wie seit Jahren hervorragend, konnten die Zuschauer wieder von einer bestens eingerichteten Tontechnik profitieren, die gerade beim Orchesterpart die Qualität einer prominenten Einspielung eines hochkarätigen Klangkörpers aufwies. Aber das bloße herunterdudeln der Carmen-Hits versagt sich Dinic. Der temperamentvolle Dirigent Srba Dinic entlockte seinem Orchester vielmehr dunkle differenzierte Töne und setzt eine dramatische Entwicklung durch, die zeigten, dass das Staatorchester Braunschweig zu den führenden Klangkörpern im Norden der Republik gehört. Dinic führte Orchester, Chor und Solisten jenseits der sonst anzutreffenden plakatistischen Carmen-Routine sicher durch die Premiere. Das Publikum, das sich auch aus vielen Gästen der Sponsoren und des Staatstheaters zusammensetzte, feierte vornehmlich sich selbst und das Arena-Event, die Solisten, den Generalmusikdirektor und sein Staatsorchester sowie die Chöre und blieb beim Regieteam im Gegensatz zu den bisherigen Burgplatz-Open Air Premieren ungewohnt verhalten. Es mischten sich sogar einzelne Buhrufe für das Regieteam, das spanische Folklore weitgehend vermeidet, ihren Ansatz aber nicht durchhält und immer wieder ins Klischee verfällt, in den Applaus.

Der eigentlich opernerfahrene Regisseur Philipp M. Krenn konnte mit seiner naturalistisch-erdiger Carmensicht, die oft im Dunkeln spielte, schließlich nur bedingt überzeugen. Sein Versuch einer Neuinterpretation gelingt nicht, auch wenn es ehrenwert ist, dass in seiner Darstellung Carmen nicht Folklore oder Klischee der Kastagnetten-Liebesgeschichten in und um die Stierkampfarena bedeutet. Fraglich bleibt, ob es wirklich einfallsreich ist, Kastagnetten durch Bierflaschen zu ersetzen? Und ob es tatsächlich Sinn macht, die Oper umzudrehen und den Mord von Don José an Carmen an den Anfang zu stellen. Das Fehlen eines traditionellen roten Carmen-Kostüms, von Kastagnetten und der sich nicht immer erklärende Handlungsablaufs macht noch keine interessante Neudeutung des Librettos von Henri Meilhac und Ludovic Halévy und ist auch keine ausreichende Entkitschung. Unangenehm wird es für die Zuhörer, wenn Philipp Krenn die Sänger durch szenische Vorgaben dazu zwingt, im Liegen und Kauern singen zu müssen oder durch falsche Positionierung der Darsteller diese in die Mikrophone der jeweiligen Partner zu singen gezwungen ist. Von einem Bühnenbild im eigentlichen Sinne kann hier keine Rede sein. Vielmehr bietet Heike Vollmer mit Holzstühlen und -tischen, Ledersesseln, Holzbohlen und einem metallenen Bettgestellt lediglich multifunktional einsetzbare Versatzstücke, die kaum arenataugliche Optik erzeugten. Schade. Die Kostüme von Regine Standfuss sind seltsam nichtssagend aber zeitlos aber das Drama um Carmen, Escamillo und Sergeant Don José muss sich ja zeitlich auch nicht festlegen.

Die krude und zuweilen verworrene Handlung machte es dem Publikum nicht leicht und dass in französischer Sprache gesungen wurde, steigerte dieses Problem. Die Führung des großen Chores, der sich aus Chor- und Extrachor des Staatstheaters formierte, misslang nicht. Aber die Choristen treten halt einfach nur auf und ab. Nur bei der Positionierung des Chores im Zuschauerbereich macht das Sinn, denn die Choristen bilden dann das voyeuristische Publikum. Der Staatheaterchor wurde mit Extrachor von Georg Menskes bestens einstudiert. Und der Kinderchor konnte stimmstark in der Führung von Mike Garling gefallen. Auf dem Braunschweiger Burgplatz wurde Lillas Pastia zum handlungstragenden und handlungsbeeinflussenden wortlosen Erzähler, den der fast seit 20 Jahren zum Schauspielensemble des Staatstheaters Braunschweig gehörende Mattias Schamberger mit bloßem Oberkörper und typischer Torerohose (einer der Reste des doch vorhandenen Klischees) dämonisch darbot. Er steuerte als Mister Tod nicht nur Don José, der Carmen mehrfach, Bauernmädchen Michaela, sich selbst und irgendwie jeden erschoss, so dass es fast komische Züge bekam. Irgendwie wurde die Kraft, die dem Stück inne wohnt, durch die vermeintliche, hier fehlgeleitete, Kraft einer Waffe ersetzt.

Wenig Licht und umso mehr Schatten bot die Besetzung der einzelnen Partien. Die Operndirektion des Staatstheaters Braunschweig muss sich an erster Stelle fragen lassen, ob es wirklich sein muss, die Rolle des Don José mit einem rein lyrischen Tenor zu besetzen. Kwonsoo Jeons, der dem Don José schauspielerisch das Profil eines ewig Gehetzten gab, kann keinerlei Vorwurf gemacht werden, denn seine Stimme ist wundervoll und höhenstark aber eben nicht durchschlagskräftig genug, um seine Rolle gesanglich festspieltauglich zu interpretieren. Hier steht stimmlich ein hervorragender Rudolfo auf der Bühne, der (noch) nicht über die heldischen Qualitäten, die für die Partie des Don José erforderlich sind, verfügt. Eugene Villanueva zeigte in der letzten Spielzeit in Braunschweig als Marquis von Posa in Verdis Don Carlo einen ausgesprochen stimmschönen und mit dem notwendigen Strahl ausgestatteten Bariton. In der Rolle des Escamillos präsentierte er jedoch nur noch das Skelett seiner ehemals ausdrucksstarken Stimme. Höhenschwach mit brüchigem tiefem Fundament und ohne heldenbaritonaler Attacke gab er einen schmerbäuchigen lahmen Stierkämpfer, der auch beim lächerlichen Stage Diving oder albernen Armdrücken keinen Respekt einflößen oder gar Feuer entfachen konnte.

Kommen wir zu den Pluspunkten: Das Staatstheater Braunschweig darf sich glücklich schätzen, drei Mezzosoprane im Ensemble zu haben, die eine Carmen darstellen und singen können. In der Premiere zeigt Jelena Kordic mit tief grundiertem weiblich sattem Mezzosopran, wie schön in Carmen gesungen werden kann, wenn die Besetzung angemessen und die Stimme gesund und frisch ist. Carmen hatte in dieser Inszenierung in erster Linie stimmliche Reize, die das Publikum wirklich begeisterten. Der Regisseur verwandelte die Figur der Carmen in eine relativ unbeteiligte Person mit goldfarbenem Oberteil, die nicht im Mittelpunkt der Handlung steht und mehr geschehen lässt, als die Handlung voranzutreiben. Ein verführerisches Spiel, Liebe oder Sehnsucht sah der Regisseur in seiner Deutung der Carmen nicht vor. Irgendwie passte die bieder dargestellte und kostümierte Michaela nicht ins Regiekonzept. Sie wirkte wie ein Fremdkörper. Doch konnte die in Braunschweig seit Jahren zu den Publikumslieblingen gehörende Ekaterina Kudryavtseva mit ihrem aufblühenden lyrischen Sopran punkten, durch Melos in der Stimme berühren und es verwundert nicht, dass die Sängerin beim Schlussapplaus ähnlich wie Jelena Kordic mit starkem Applaus und Bravorufen bedacht wurde. Als durchweg schönstimmige Comprimarii sangen Matthias Stier Remendado, Maximilian Krummen Dancairo, Jelana Bankovic Fraquita, Milda Tubelyte Mercedes und David Ostrek, der alternierend mit Eugene Villanueva als Escamillo besetzt ist, kräftig den Morales. Die Rolle des Zuniga gab Dominic Barberi mit angenehm kräftigem Bass. Die Oper Carmen wird auf dem Braunschweiger Burgplatz noch bis einschließlich 5. September 2018 gespielt. Insgesamt finden 20 Aufführungen mit rund 25.000 Zuschauern statt, die bei gezielten Aktivitäten auch die regulären Aufführungen des Braunschweiger Staatstheaters bereichern könnten. Weitere Informationen und Kartenbestellung unter www.staatstheater-braunschweig.de

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Wiener Opernregisseur Wolfgang Gratschmaier präsentiert in Österreich seine gelungene Le nozze di Figaro Inszenierung

Eine hervorragende Inszenierung von Wolfgang Gratschmaier begeistert das Opernpublikum in Wien, Salzburg, Schloss Thalheim in Niederösterreich und Graz

Wiener Opernregisseur Wolfgang Gratschmaier präsentiert in Österreich seine gelungene Le nozze di Figaro Inszenierung

Opernregisseur Wolfgang Gratschmaier von der Volksoper Wien

Experiment gelungen – Oper lebt! Le nozze di Figaro – Inszenierung setzt mit jungen Sängern und Musikern entscheidende Akzente. Wenn junge engagierte Opernsänger zusammenspielen und das Stück und ihre Rollen durch Vermittlung eines guten Regisseurs wirklich verstanden haben, entsteht auf der Bühne etwas Besonderes. Am 21. September 2017 konnte ein begeistertes Publikum im Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses eine besonders muntere Hochzeit des Figaros erleben. So kurzweilig und humorvoll sowie musikalisch aufgeweckt müsste Oper immer sein. Und das mit wenigen Versatzstücken, zeitlosen Kostümen und sogar ohne Chor. Und doch fehlte nichts, denn Langeweile kam bei der Inszenierung der Mozart Oper „Le nozze di Figaro“ von Wolfgang Gratschmaier nicht auf und drei Stunden vergingen bei größtem Vergnügen wie im Fluge. Im Programmheft war zurückhaltend eine halbszenische Aufführung angekündigt. Die Studierenden der Österreichischen Musik-Universitäten und die das Orchester bildenden Mitglieder der Angelika-Prokopp-Sommerakademie der Wiener Philharmoniker agierten in diesem Projekt einfach mustergültig. Gratschmaier bezieht das Orchester und auch den Dirigenten voll in seine Interpretation der Mozartoper ein. Der erfahrene Regisseur vermeidet jedoch alles, was platt oder übertrieben ankommen könnte. Wolfgang Gratschmaier, der als Charaktertenor seit 15 Jahren zum Ensemble der Volksoper gehört, hat Gesang bei Gerhard Kahry und Elisabeth Schwarzkopf studiert. Zudem gehört er zu den wenigen Opernsänger, die beim „Theaterkönig“ George Tabori Schauspiel studierten. Seit vielen Jahren gastiert Wolfgang Gratschmaier weltweit und erarbeitete als Regisseur erfolgreich beispielsweise Wagners Rienzi, Leoncavallos Pagliacci oder die Operette Fledermaus. Gratschmaier ist seit 2015 Dozent für szenische Gestaltung an der MUK Musik und Kunst Privatuniversität Wien.

Der kräftige Sopran von Laura Meenen verfügt über ausreichend Metall, um die dramatische Situation und die stimmlichen Anforderungen der Contessa zu erfüllen. Lediglich ein leichtes Wackeln ließ ihre Stimme im Forte etwas schrill klingen. Demgegenüber gab der schauspielerisch gewandte Kristján Johannesson einen Conte mit großer Stimme, die in den dramatischen Passagen fast schon an Don Pizarro erinnerte. Der Sänger gab den Conte als kaum sensiblen Berserker, was aber für den wütenden Edelmann und unsensiblen Erotomanen rollendeckend ist. Eine leicht nasale Stimmfärbung adelt seinen in allen Lagen hervorragenden Gesang. Ein Höhepunkt des Abends war denn auch die Arie „Hai già vinta la causa“. Hier gab Johannesson „Dem Affen richtig Zucker“ und konnte auch darstellerisch als Opernmacho sehr überzeugen. Von diesem Bariton wird man noch viel hören! Figaro war mit tragkräftigem Organ Minsoo Ahn. Seine Stimme erinnert nicht an lyrische Baritone wie Hermann Prey, sondern er verlieh mit dramatischerer Emphase dem umtriebigen Faktotum gesanglich und darstellerisch viel Gewicht. Eine leichte Höhenschwäche fiel dabei kaum ins Gewicht. Schönstimmig mit gut tragend war die attraktive Mezzosopranistin Ghazal Kazemi. Sie gab einen schwärmerischen Cherubino im Hormonrausch. Was sie an tieferer Grundierung stimmlich vermissen ließ, machte sie durch herausragendes Spiel mehr als Wett. Sie verfügt über einen lyrischen und höhenstarken Mezzosopran, der auch mit berückenden, weich blühenden Piani für sich einnimmt. Aleksandra Szmyd ist eine ernstzunehmende Susanna. Ihr blitzsauberer Sopran erfüllt alle Anforderungen einer lyrischen Gesangsführung. Hier sang keine Soubrette ein Kammerkätzchen, sondern vielmehr eine junge Frau, die ganz genau weiß, was sie will. Ein zweiter gesanglicher Höhepunkt des Abends war Susannas Rosenarie. Bis in die kleineren Rollen war in dieser Produktion eine hervorragende Besetzung gegeben. Als Bartolo agierte Tair Tazhigulov etwas hölzern. Doch stimmlich konnte der junge Bassist auftrumpfen. Marcellina war mit angenehmem Mezzosopran und ausdrucksvollem Spiel Helene Feldbauer. Ihre Stimme hob sich nicht zuletzt durch die tiefere Grundierung angenehm von den anderen Sängerinnen ab. Silbrig schönstimmig sowie attraktiv war Zuzana Spot Ballánová als kecke Barbarina, der man in dieser Rolle eine erotische Ausstrahlung und Stimmfärbung nicht absprechen kann. Basilio und Don Curzio wurde von Tenor Savva Tikhonov rollendeckend mit leichtem lyrischem Tenor intrigant, aber doch eher harmlos gegeben. Ganz im Gegensatz zu Bariton Jakob Mitterrutzner, der den Antonio schauspielerisch überzeugend und stimmlich rollendeckend darbot und immer wieder beim Publikum für höchstes Amüsement sorgte.

Schon in der Ouvertüre zeigt Felix Hornbachner mit seinem hochengagierten Orchester ein zügiges Tempo und klare Akzente. Zuweilen wäre etwas mehr Dämpfung des Orchesters angezeigt gewesen und leichte Intonationsprobleme im Blech zu bemerken. Der hochbegabte Dirigent erreicht mit klarer Zeichengebung praktisch immer, dass Orchester und Solisten beieinander waren und eine mitreißende Interpretation der Partitur präsentierten. Felix Hornbachner absolvierte das Studium als Dirigent von 2011 bis 2015 an der MUK Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien und schloss mit Auszeichnung ab. Ab Herbst dieses Jahres ist Hornbachner Chefdirigent des Symphonischen Orchesters Mödling. Die rund 30 jungen Musiker bildeten das Orchester der Angelika Prokopp-Sommerakademie der Wiener Philharmoniker. Die Sommerakademie wurde 2005 gegründet und findet seitdem jährlich während der Salzburger Festspiele statt. Die Musiker des Orchesters wirken auch als Bühnenmusiker bei den dortigen Opernproduktionen mit. Der Solofagottist der Wiener Philharmoniker Michael Werba hatte die Partitur hervorragend einstudiert und die künstlerische Leitung der Aufführung „Le nozze di Figaro“ inne. Niels Erik Muus, Professor an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, studierte die jungen Sängerinnen und Sänger hervorragend ein. Insgesamt kann die Produktion dieser Mozartoper in der Regie von Wolfgang Gratschmaier, der auch für Licht und Kostüme zuständig war, als in höchstem Maß gelungen beschrieben werden. Das Experiment der Sommerakademie und der MUK ist auch in diesem Jahr gelungen. Es zeigte sich, dass eine kluge Inszenierung mit ambitionierten Sängern einen sprühenden, jungen „Figaro“ ergeben kann, der so an praktisch jeder Bühne aufführbar wäre, wenn ein Orchester zur Verfügung steht, das aus Musikern besteht, die aufeinander hören und aufeinander eingehen. Bravo und in diesem Stil auch im kommenden Jahr weiter so! So bereitet Oper Vergnügen.

Sven-David Müller, Opernkritiker
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Das im Jahr 2006 in Köln gegründete Deutsche Kompetenzzentrum Gesundheitsförderung und Diätetik ist das Netzwerk und Sprachrohr für alle Berufsgruppen, die in der wissenschaftlich fundierten Gesundheitsförderung tätig sind sowie alle an Gesundheit interessierten, die von dem Bündeln von Informationen und Aktionen profitieren möchten. Die medizinische Fachgesellschaft ist als gemeinnützig anerkannt und in das Vereinsregister eingetragen.

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