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In der Anatomie werden Ideen zum Leben erweckt

Workshop-Reihe Einschnitte – Einblicke mit dem Thema „Herz, Lunge, Thorax“

In der Anatomie werden Ideen zum Leben erweckt

Der Workshop „Einschnitte – Einblicke“ im Institut für Klinische Anatomie und Zellanalytik (Bildquelle: M. Latz/BioRegio STERN Management GmbH)

(Stuttgart/Tübingen) – Die Workshop-Reihe „Einschnitte – Einblicke, Medizintechniker und Ärzte im Dialog“ wurde im Juni 2018 mit dem Thema „Herz, Lunge, Thorax“ fortgesetzt. Die BioRegio STERN Management GmbH organisiert diese außergewöhnliche Veranstaltungs-Serie gemeinsam mit dem Interuniversitären Zentrum für Medizinische Technologien Stuttgart – Tübingen (IZST) und dem Verein zur Förderung der Biotechnologie und Medizintechnik e. V. Auch bei der vierten Ausgabe der Veranstaltung diskutierten ärztliche Direktoren und leitende Oberärzte mit Medizintechnikern direkt an OP-Tischen in der Anatomie, welche Innovationen gewünscht und gebraucht werden.

Die Ärzte der Uniklinik Tübingen nennen die Veranstaltungsreihe bereits „Wünsch Dir was“, weil sie ihnen die Möglichkeit gibt, Medizintechnikern gegenüber ihre Wünsche für neue oder verbesserte Instrumente und Geräte ungefiltert durch Einkaufs- und Marketingabteilungen zu formulieren. Beim vierten Workshop der Reihe stand das Thema „Herz, Lunge, Thorax“ im Mittelpunkt. Parallel zu den Live-OP-Übertragungen und den praktischen Übungen im OP des Instituts für Klinische Anatomie und Zellanalytik, diskutierten die ärztlichen Direktoren sowie leitenden Oberärzte des Universitätsklinikums Tübingen PD Dr. Helene Häberle, Leitende Oberärztin Intensivstation, Prof. Dr. Alfred Königsrainer, Ärztlicher Direktor Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Prof. Dr. Christian Schlensak, Ärztlicher Direktor Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie und Prof. Dr. Roland Syha, Bereichsleiter Interventionelle Radiologie über die potenziellen Innovationen. Prof. Dr. Peter P. Pott, Leiter des Instituts für Medizingerätetechnik der Universität Stuttgart, erklärte in dieser Runde das technisch Machbare. Prof. Dr. Arnulf Stenzl, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik fur Urologie sowie Leiter des Interuniversitären Zentrums für Medizinische Technologien Stuttgart – Tübingen (IZST) moderierte gemeinsam mit dem Gastgeber Prof. Dr. Bernhard Hirt, Ärztlicher Direktor des Instituts für Klinische Anatomie und Zellanalytik den Workshop. Rund 40 Vertreter von Medizintechnik-Unternehmen waren der Einladung gefolgt und erlebten spannende Einschnitte und Einblicke.

Bei einer Kunstherz-Implantation sowie einer minimal-invasiven Lungen- und einer Speiseröhren-Operation am anatomischen Präparat wurde sozusagen der Finger direkt in die Wunde gelegt: Während der Arzt einen Tubus in die Trachea, die Luftröhre, schiebt, erklärte er den Medizintechnikern – und per Live-Stream zugeschalteten Medizinstudenten -, warum ein zweiter Arbeitskanal sinnvoll wäre: „Häufig muss ein weiteres Gerät, beispielsweise eine Zange, eingeführt werden. Außerdem kann es zu Blutungen kommen, die den einen Kanal verstopfen.“ Bei der anschließenden Demonstration einer minimalinvasiven Lobektomie, der Entfernung eines Organlappens, erläuterte das OP-Team die Notwendigkeit einer zweiten Kamera, um das Geschehen im Inneren des Thorax aus einer zusätzlichen Perspektive überwachen zu können. Ein Stapler zur Anbringung von Klammern, der um 90 Grad abgewinkelt werden kann, kam ebenso auf die Wunschliste wie eine Reinigungsfunktion für die Kameralinse. In der Diskussion der Ärzte mit Prof. Pott wurde jedoch schnell klar, dass vieles von dem, was technisch machbar ist, im OP-Alltag gar nicht praktikabel ist: „Zusätzliche Funktionen benötigen Kabel und Schalter. Gleichzeitig sollen die Geräte aber immer kleiner und handlicher werden.“ Auch die Physik setze der Miniaturisierung ihre Grenzen: „Eine Kameralinse kann nur bis zu einem bestimmten Maß verkleinert werden, dann überträgt sie nichts mehr“, erläuterte Prof. Pott.

Bei der anschließenden Kunstherz-Transplantation wurde erneut deutlich, dass die Ärzte großen Wert auf kleine und wendige Geräte legen, um den Brustkorb so wenig wie möglich zu öffnen, da dies für die Patienten häufig mit großen Beschwerden verbunden ist. Um das 200 Gramm leichte Kunstherz einzusetzen, sind nur zwei Einschnitte notwendig; leider bleibt eine der Öffnungen dauerhaft unverschlossen, da die Kabel zur Steuerung und Stromversorgung über einen Akku nach außen gelegt werden müssen. Prof. Pott: „Natürlich gibt es, beispielsweise bei Hörgeräten, bereits die Möglichkeit einer kabellosen Energieversorgung. Wenn diese ausfällt, hört der Patient nichts mehr. Wenn sie aber beim Herzen ausfällt, lebt er nicht mehr.“

Es gibt also reichlich Innovationsbedarf und damit Gesprächsstoff zwischen den Entwicklern und den Anwendern. Ein Bedarf, der sich sicherlich auch in der nächsten Ausgabe im Februar 2019 mit dem Thema „Extremitäten, Bewegungsapparat“ nicht erschöpfen wird. „Soweit wir wissen, gibt es weltweit keine vergleichbare Veranstaltung“, erklärte Mitveranstalter und Geschäftsführer der BioRegio STERN Management GmbH Dr. Klaus Eichenberg. „Ärzte fordern neue Verfahren und Instrumente ein. Ich bin mir sicher, dass die hiesige Medizintechnikbranche die Herausforderung annimmt und einige der Ideen, die hier erstmals formuliert wurden, zum Leben erwecken wird.“

Save-the-Date! Die nächsten Workshop-Termine:
6.2.2019 „Extremitäten, Bewegungsapparat“
3.7.2019 „Intelligente Dauerimplantate“

Über die BioRegio STERN Management GmbH:
Die BioRegio STERN Management GmbH ist Wirtschaftsentwickler für die Life-Sciences-Branche. Sie fördert im öffentlichen Auftrag Innovationen und Start-ups und trägt so zur Stärkung des Standorts bei. In den Regionen Stuttgart und Neckar-Alb mit den Städten Tübingen und Reutlingen ist sie die zentrale Anlaufstelle für Gründer und Unternehmer.
Die BioRegion STERN zählt zu den großen und erfolgreichen BioRegionen in Deutschland. Alleinstellungsmerkmale sind die bundesweit einzigartige Mischung aus Biotechnologie- und Medizintechnikunternehmen sowie die regionalen Cluster der Automatisierungstechnik, des Maschinen- und Anlagenbaus.

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Klartext im OP

„Einschnitte – Einblicke“ zum Thema „Kopf, Hals“: Medizintechniker und Ärzte im Dialog

Klartext im OP

Einschnitte-Einblicke-Workshop zum Thema „Kopf, Hals“ (Bildquelle: BioRegio STERN/ Michael Latz)

(Stuttgart/Tübingen) – Gemeinsam mit der BioRegio STERN Management GmbH haben das Interuniversitäre Zentrum für Medizinische Technologien Stuttgart – Tübingen (IZST) und der Verein zur Förderung der Biotechnologie und Medizintechnik e. V. im Januar 2018 den dritten Workshop für Medizintechniker in der Reihe „Einschnitte – Einblicke“ veranstaltet. Zum Thema „Kopf, Hals“ standen in Tübingen Ärzte der Fachrichtungen Augenheilkunde, Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie, HNO, Hand-, Plastische, Rekonstruktive und Verbrennungschirurgie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie Neurochirurgie am OP-Tisch.

Der Workshop mit Live-Übertragung von drei operativen Eingriffen sowie anschließenden praktischen Übungen an verschiedenen Stationen im OP des Instituts für Klinische Anatomie und Zellanalytik brachte jeweils mehrere relevante Fachrichtungen an einen Tisch. Am anatomischen Präparat wurden sowohl endoskopisch als auch offen-chirurgisch Einzelheiten dargestellt. Die eingeladenen Ingenieure von namhaften Medizintechnikunternehmen verfolgten im Hörsaal gespannt die lebhafte Diskussion der Ärzte zu Operationstechniken und -verfahren. Anschließend konnten sich die Teilnehmer selbst mit den Ärzten am anatomischen Präparat austauschen, um neue Ideen für Instrumente und Verfahren zu entwickeln.

Die Veranstaltung war mit mehreren Ärztlichen Direktoren und leitenden Oberärzten der Universitätsklinik Tübingen sowie des Klinikums Stuttgart wieder ausgesprochen hochkarätig besetzt: Prof. Dr. Ulrich Bartz-Schmidt, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Augenklinik Tübingen, Prof. Dr. Adrien Daigeler, Ärztlicher Direktor der Tübinger BG-Klinik fur Hand-, Plastische, Rekonstruktive und Verbrennungschirurgie, Prof. Dr. Ulrike Ernemann, Ärztliche Direktorin der Diagnostischen und Interventionellen Neuroradiologie in Tübingen, Prof. Dr. Florian Gekeler, Ärztlicher Direktor der Augenklinik am Klinikum Stuttgart, Prof. Dr. Dr. med. Michael Krimmel, leitender Oberarzt an der Universitätsklinik fur Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Prof. Dr. Hubert Löwenheim, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik fur Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Prof. Dr. Arnulf Stenzl von der Universitätsklinik für Urologie sowie dem Interuniversitären Zentrum für Medizinische Technologien Stuttgart – Tübingen (IZST) und Prof. Dr. Marcos Tatagiba von der Universitätsklinik fur Neurochirurgie.

Prof. Dr. Bernhard Hirt, Ärztlicher Direktor des Instituts fur Klinische Anatomie und Zellanalytik, war zugleich Gastgeber und Moderator des Workshops und begrüßte neben den Fachbesuchern im Hörsaal auch die zahlreichen per Life-Stream zugeschalteten Ärzte und Studenten: „Zum dritten Mal möchten wir die Gelegenheit nutzen, um einen intensiven Austausch zwischen Medizinern und Technikern zu forcieren. Wir wünschen uns, dass die Macher aus der Medizintechnik mit neuen Ideen und Ansätzen zur Neu- und Weiterentwicklung von Instrumenten und Geräten in ihre Firmen zurückkehren.“

Das Endoskop: Trotz des „zusätzlichen Augenpaares“, hat der Operateur nach wie vor nur eine Hand frei
Vor allem das Thema Visualisierung mithilfe von Endoskop, Mikroskop und Exoskop stieß auf offene Augen und Ohren. Im Rahmen der Live-OP wurde bei einem anatomischen Präparat ein bösartiger Tumor entfernt, der ungünstig in der Mitte des Schädels lag, was den Operateur vor die Frage nach dem Zugang stellte. „Das Endoskop hat immer mehr an Boden gewonnen, wir haben heute bereits eine sehr gute Qualität, dennoch müssen Kamera und die Übertragung weiter verbessert werden“, erklärte er dem Publikum. Ein echtes Manko sieht er beim Handling. „Wenn ich ein Mikroskop benutze, habe ich zwei Hände für die Operation frei, benutze ich das Endoskop, dann habe ich nur noch eine Hand zur Verfügung. Auch muss das Endoskop ständig gereinigt werden, ein Scheibenwischersystem wäre da von Vorteil.“ Ein von einem Roboter assistierter Chirurg und eine hochauflösende Videotechnologie beim Endoskop – aktuell ist die 3D-Endoskopie Standard – könnten aus dem Dilemma führen. Viele Chirurgen behelfen sich bereits mit einer Kombination aus Mikroskop und Endoskop, um das „Beste aus jeder Welt“ zur Verfügung zu haben. Bei einer Reihe von Indikationen, vor allem bei oberflächlichen Tumoren, wird das Endoskop durch das Exoskop ersetzt, das nicht in den Körper eingeführt, sondern mit Abstand platziert werden kann, um das Operationsfeld besser auszuleuchten und zu visualisieren.

Die Zeitverzögerung
Für unbedingt verbesserungswürdig halten die Mediziner die Zeitverzögerung bei der Übertragung des Bildes auf den Monitor. Vor allem wenn der Operateur schnell arbeitet, hinkt das Bild deutlich hinterher, was in manchen Fällen zu Gefäßverletzungen führen kann. Eine andere Problematik der Visualisierung durch das Endoskop ist, dass der Operateur zwar in tiefere Regionen vordringen und die von dort übertragenen Bilder gut erkennen kann, er jedoch kein Bild der Spitze des Endoskops und dessen unmittelbaren Umgebung sieht. Diese fehlende Übersicht, die Dicke des Instruments und die Begrenztheit der Arbeitskanäle stellen die Chirurgen im OP-Alltag immer wieder vor Herausforderungen.

Licht und Schatten
OP-Bereiche sowohl bei offen-chirurgischen als auch endoskopischen Eingriffen richtig auszuleuchten war ein Thema, das die Ärzte allesamt für elementar wichtig hielten. Denn das Licht spielt in der Medizintechnik und bei der OP-Planung eine herausragende Rolle. Gut ausgeleuchtete Regionen ohne unnötige Wärmeentwicklung erleichtern die Arbeit, schaffen Sicherheit und reduzieren potenzielle Fehlerquellen. Deshalb diskutierten Ärzte und Medizintechniker vor allem über die Anpassungsfähigkeit von LED-Leuchten, Hygienestandards und die Schattenwirkung einiger Lampen. Das Mikroskop beleuchte zwar die Umgebung gut, werde dabei jedoch sehr heiß, kommentierten die Operateure. Auch das Endoskop biete sowohl Vor- als auch Nachteile, so die Meinung eines Ärztlichen Direktors: „Ich kann weit hineingehen, es bringt Licht vor Ort, verursacht aber auch einen Schattenwurf.“ Mehrere homogene Lichtquellen am Endoskop oder neue Lichtquellen am Sauger könnten eine mögliche Lösung sein.

Bisher behelfen sich viele Operateure mit Stirnlampen, vor allem im HNO-Bereich, in der Plastischen Chirurgie und in der Augenheilkunde. Die vor über 50 Jahren entwickelte „Foerster-Brille“, in Fachkreisen auch das „Tübinger-Collier“ genannt, die als robustes Untersuchungsinstrument bei Visite und OP beliebt ist, wurde inzwischen immerhin mit LED ausgestattet.

Der Operationstisch
Die Operateure bemängelten während der Live-OP, bei der ein Transplantat aus einem resorbierbaren Material an einer Nasenwurzel eingesetzt wurde, vor allem den „Kabelsalat“ rund um den Tisch. „Das sind echte Stolperfallen“, kritisierte ein Oberarzt seinen Arbeitsplatz. „Als Chirurg stört mich das extrem, ich habe hier Kabel, Fußpedale und Optik. Zudem einen vollen Tisch, ich finde es fürchterlich, wie ich hier arbeiten muss. Da muss doch eine Abhilfe geschaffen werden können, da sind die Produktentwickler gefragt.“ Als Lösung stellte er sich einen kabellosen Arbeitsplatz und Akku betriebene Instrumente vor.

Ausgesprochen spannend und notwendig
Nach den Live-OPs trafen sich die Vertreter der medizintechnischen Unternehmen an verschiedenen Stationen in kleinen Gruppen mit den Ärzten und diskutierten Lösungsansätze. Beispielsweise eine Blakesley-Nasenzange aus Nitinol, einer Nickel-Titan-Legierung, mit „Formgedächtnis“. Diese Nasenzange passt der Chirurg individuell an die Anatomie des Patienten an; dank des thermischen Formgedächtniseffekts hat sie nach der Hitzesterilisation wieder ihre Ausgangsform. In China wird die Nasenzange bereits mit großem Erfolg eingesetzt, in Deutschland läuft die Vermarktung eher schleppend, da sie vier Mal so teuer ist wie eine übliche Nasenzange. Für die Medizintechniker sei vor allem das direkte Feedback der Ärzte wichtig, erklärte der Vertreter eines mittelständischen Geräteherstellers aus der Region: „Der persönliche Austausch mit den Fachleuten ist mit nichts aufzuwiegen, hier hole ich mir Ideen und arbeite bereits im Kopf an der Lösung, nur in der Praxis kann man genau herausfinden, was die Ärzte wirklich benötigen. Schon deshalb ist diese Veranstaltung etwas Besonderes.“ So sieht es auch der mitveranstaltende Geschäftsführer der BioRegio STERN Management GmbH Dr. Klaus Eichenberg: „Eine Veranstaltung wie ,Einschnitte – Einblicke‘ gibt es in dieser Form sonst nirgendwo: Acht Ärztliche Direktoren aus den verschiedensten Fachgebieten reden Klartext über den Medical Need im OP – wir erhalten immer wieder die Rückmeldung, dass dieses Format nicht nur ausgesprochen spannend, sondern auch ausgesprochen notwendig ist.“

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„Medical Need“ live am OP-Tisch erfahren

„Einschnitte – Einblicke“: Medizintechniker und Ärzte im Dialog

"Medical Need" live am OP-Tisch erfahren

Medizintechniker und Ärzte im OP des Instituts für Klinische Anatomie in Tübingen (Bildquelle: Michael Latz/BioRegio STERN)

(Stuttgart/Tübingen) – Das Interuniversitäre Zentrum für Medizinische Technologien Stuttgart – Tübingen (IZST) und der Verein zur Förderung der Biotechnologie und Medizintechnik e. V. luden gemeinsam mit der BioRegio STERN Management GmbH erstmalig zu dem Workshop „Einschnitte – Einblicke“ ein. Die Veranstaltung mit dem Schwerpunktthema Beckenchirurgie brachte fächerübergreifend die Disziplinen Gynäkologie, Urologie sowie Unfall- und Allgemeinchirurgie an einen Tisch und bot Fachleuten aus der Medizintechnik Gelegenheit, direkt vor Ort den „Medical Need“, also den medizinischen Bedarf, zu erfahren. Mit einer Live-OP-Übertragung sowie praktischen Übungen im OP der Klinischen Anatomie bot die Veranstaltung Anstöße für die Neu- und Weiterentwicklung von Instrumenten und Geräten. Aus Sicht aller Beteiligten war sie ein voller Erfolg und wird fortgesetzt.

Wie inspirierend die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Medizinern verschiedener Fachrichtungen und den Ingenieuren aus der Medizintechnik sein kann, führte der Workshop „Einschnitte – Einblicke“ den etwa 80 Teilnehmern vor Ort sowie zahlreichen via Live-Stream zugeschalteten Ärzten und Studenten anschaulich vor. Leitende Oberärzte und ärztliche Direktoren diskutierten vor ihrem aufmerksamen Publikum die Operationen, die eine Etage tiefer im OP des Instituts für Klinische Anatomie und Zellanalytik stattfanden und live in den Hörsaal übertragen wurden. Wo sonst Studenten erste anatomische Kenntnisse erwerben und medizinisches Fachpersonal sich fortbildet, saßen an diesem Nachmittag die Entwicklungsleiter von Medizintechnikunternehmen aus der Region. Und die Mediziner hielten sich nicht lange mit anatomischen Erklärungen auf, sondern legten sofort den „Finger in die Wunde“. Prof. Dr. Arnulf Stenzl, Ärztlicher Direktor der Urologie des Universitätsklinikums Tübingen und Direktor des IZST , Prof. Dr. Bernhard Hirt, Direktor des Instituts für Klinische Anatomie und Zellanalytik der Universität Tübingen, Prof. Dr. Alfred Königsrainer, Ärztlicher Direktor der Allgemeinen, Viszeral- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Tübingen, Prof. Dr. Christl Reisenauer, Leitende Oberärztin Urogynäkologie des Universitätsklinikums Tübingen und Prof. Dr. Ulrich Stöckle, Ärztlicher Direktor der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Tübingen zeigten anhand täglicher Routine-Eingriffe in der Beckenchirurgie, wo sie Verbesserungsbedarf bei Instrumenten und Technologien sehen. „Heute dürfen wir uns von den Entwicklern etwas wünschen“, brachte es Prof. Reisenauer auf den Punkt.

Beispiel Laparoskopie: In der minimal-invasiven Chirurgie schaffen so genannte Trokare den Zugang zum Bauchraum. Durch die Öffnungen werden Endoskope bzw. Greif- und Schneidewerkzeuge eingeführt. Schnell wird den anwesenden Medizintechnikern klar, wo hier Verbesserungspotenzial besteht: Bei der Verwendung einer Ultraschallschere können Hitze und Rauchentwicklung die Sicht behindern, die eingeführte Kamera verschmiert und mit der eingeführten Zange kann das Gewebe zwar gegriffen, aber nicht gehalten werden. Ob kürzere Messer oder feineres Nahtmaterial – die erfahrenen Ärzte hatten eine lange Wunschliste vorbereitet und sich teilweise schon konkret Gedanken über die Weiterentwicklung gemacht: Zur Stabilisierung eines Beckenbruchs werden aktuell noch standardisierte Titan- oder Stahlplatten eingesetzt. Für die Zukunft wünschen sich die Chirurgen individuell geformte Platten – am besten im 3D-Druck innerhalb von 24 Stunden hergestellt -, die der Anatomie des Beckens exakt angepasst sind und daher optimal fixiert werden können. Auch wenn nicht endoskopisch, sondern offen operiert wird, ist die Beleuchtung und Visualisierung immer wieder ein Thema: Hier wünschen sich die Chirurgen Monitore, die sie nicht zwingen, vom Patienten weg zu schauen, sondern die direkt neben dem Operationsfeld angebracht sind. Sie waren sich einig, dass die Technik im Prinzip zur Verfügung steht – Stichwort: Daten-Brille -, aber noch besser in der Medizintechnik umgesetzt werden muss.

Es gab reichlich Gesprächsstoff, als die Medizintechniker und Mediziner vom Hörsaal selbst an die OP-Tische in der Anatomie wechseln durften, um dort mit den Chirurgen weiter zu diskutieren. Die Teilnehmer hatten vorab eine für sie interessante Fragestellung ausgewählt, um dann gezielt in kleinen Gruppen an den einzelnen OP-Tischen exklusive Einblicke zu den Themen Visualisierung und Beleuchtung, Miniaturisierung, Haptik-Feedback, Ergonomie, Dissektion, Ablation und Bergung, steriles Arbeiten sowie Osteosynthese zu erhalten. Thomas Schobert, Leiter Entwicklung bei der EPflex Feinwerktechnik GmbH aus Dettingen an der Erms, ließ sich beispielsweise von Dr. Bastian Amend, Oberarzt der Urologie, den Einsatz der von seiner Firma gefertigten Führungsdrähte am „Patienten“ zeigen. Als OEM-Unternehmen hat er in der Regel nur Kontakt zum beauftragenden Medizintechnikunternehmen, nicht jedoch zum anwendenden Arzt. Als Dr. Amend ihm erklärte, wo er Verbesserungsbedarf sieht, reagierte er spontan: „Sagen Sie uns, wie es aussehen soll und wir bauen es.“ Auch Michael Neher, Manager Forschung und Entwicklung der BOWA-electronic GmbH aus Gomaringen, ist vom Konzept des Workshops begeistert: „Auf Messen geht es vor allem um den Vertrieb und das Marketing. Hier werden Problemstellungen ganz offen dargestellt.“ Er interessiert sich vor allem für die Herausforderungen durch Rauchentwicklung und Hitze bei Schneidewerkzeugen und verrät: „Wir haben da schon eine Idee.“

Nicht nur diese beiden Unternehmensvertreter bestätigten den Anspruch der Veranstalter. „Wir sehen, dass die Unternehmen hier direkt den ,Medical Need“ erfahren und dadurch Ideen zur Neu- und Weiterentwicklung von Instrumenten und Geräten erhalten“, erklärt Dr. Klaus Eichenberg, Geschäftsführer der BioRegio STERN Management GmbH. „Einblicke – Einschnitte schafft exklusiven Wissensvorsprung und damit Wettbewerbsvorteile.“ Alle Beteiligten sind sich daher einig, dass der interdisziplinäre Workshop als Veranstaltungsreihe mit jeweils verschiedenen Fachbereichen unbedingt weiterentwickelt werden muss.

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In den Städten Stuttgart, Tübingen, Esslingen und Reutlingen sowie den Regionen Stuttgart und Neckar-Alb ist die BioRegio STERN Management GmbH seit 2001 gemeinsames Kompetenznetzwerk, Anlauf- und Beratungsstelle für Existenzgründer, Unternehmer und Forscher aus der Life-Sciences-Branche. Die BioRegio STERN Management GmbH vertritt deren Interessen gegenüber Politik, Medien und Verbänden und berät bei Förderanträgen sowie Unternehmensfinanzierungen. Bedeutende Schwerpunkte bilden die Regenerationsmedizin, die Medizintechnik und die Automatisierung der Biotechnologie. Geschäftsführer ist der Molekular- und Zellbiologe sowie Investmentanalyst Dr. Klaus Eichenberg.

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